Kernkompetenzen in der Integrativen Gestalttherapie und deren Vermittlung



























































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Kernkompetenzen in der Integrativen Gestalttherapie und deren Vermittlung in der fachspezifischen Ausbildung am Institut für Integrative Gestalttherapie Wien (IGWien) Masterthese eingereicht bei Prof. Dr. Henriette Löffler Stastka Med. Uni. Wien vorgelegt von Ursula Grillmeier Rehder Psychotherapeutin, Musiktherapeutin Mitglied der Ausbildungsleitung des IGWien © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Kompetenzbegriff • • • Kompetenzorientierung: EU Erziehungsleitbild für die Schul und Hochschulbildung versus Lernzielbeschreibung > durch Lehrplan festgelegtes, überprüfbares Wissen und Fertigkeiten > Qualifikation Ist bezogen auf den konkreten Einsatz im Feld > vielfältige komplexe Anforderungssituationen Personale, soziale Kompetenzen (Kreativität, Entscheidungsfähigkeit, konstruktiver Umgang mit Gefühlen, Kommunikations und Kooperationsfähigkeit, Flexibilität und Offenheit für Veränderungen etc. ) > Schlüsselkompetenzen Kompetenzen sind „dann notwendig, wenn die Handlungsziele kaum oder gar nicht fest liegen, wenn in eine offene, unscharfe, komplexe Zukunft hinein kreativ gehandelt werden muss. “ (V. Heyse, 2015) Beschreibend, nicht normativ Kompetenzen fundieren auf Werten Lassen sich nur durch emotions und motivationsaktivierende Lernprozesse erwerben. Emotionen und Motivationen werden in instabilen, nicht festgelegten Situationen aktiviert, in denen allein durch „Denken“ keine Lösungen gefunden werden können. Kompetenzbegriff eignet sich daher gerade für das psychotherapeutische Tun sehr gut © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Arten von Kompetenzen • Schlüsselkompetenzen • Kernkompetenzen • Spezifische Kompetenzen © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Schlüsselkompetenzen • Moderne Risikogesellschaft Schnell wechselnde Entwicklungen und Lebensanforderungen • Grundkompetenzen: Entscheidungsfähigkeit konstruktiver Umgang mit Gefühlen Offenheit für Veränderungen Initiative Wertehaltungen Problemlösungsfähigkeit Gestaltungsfähigkeit Kommunikations und Kooperationsfähigkeiten (V. Heyse, 2015) © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Schlüsselkompetenzen • Vier Kompetenzgruppen 1. Learning to be (Personale Kompetenz) 2. Learning to do (Aktivitäts – und Handlungskompetenz) 3. Learning to live together (Sozial kommunikative Kompetenz) und 4. Learning to know (Fach und Methodenkompetenz) Die traditionelle Bildung hat sich bisher vorwiegend auf Letztere konzentriert. • Für Psychotherapie: Fähigkeiten, in denen sich Störungen, Schädigungen, Defizite oder auch besondere Entwicklungsbedürfnisse auf der Seite der Patient. Innen zeigen, mit denen wir es als Psychotherapeut. Innen zu tun haben (V. Heyse, 2015) © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Kernkompetenzen • Werden für ein bestimmtes Berufsfeld beschrieben • Allgemeine Psychotherapiekompetenz in der Person des/r Therapeut. In und seiner/ihrer Verantwortung in der Beziehung zum/r Klient. In begründet weniger in einer Anwendung von methodengetreuen Interventionen (Wampold, 2001) © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Wirkfaktoren in der Psychotherapie • Wirkfaktoren (Wampold, 2001): Schulenspezifische Interventionstechniken (10%) Therapeuteneffekte (20%) Allgemeine Wirkfaktoren (30%) Extratherapeutische Veränderungen (40%) • Wechselwirkungen • Die allgemeinen Wirkfaktoren (common factors) • Finden sich in allen gelingenden psychotherapeutischen Beziehungen, unabhängig von der methodenspezifischen Orientierung. • Elemente und Prozesse, die im Rahmen von psychotherapeutischen Beziehungen wirksam werden • Geeignet um Veränderungs und Heilungsprozesse in Patient. Innen auszulösen © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Common Factors • Die therapeutische Arbeitsbeziehung (working alliance) • Schaffen eines Vertrauensverhältnisses • Übereinstimmung in Hinblick auf die Ziele und die Aufgaben der gemeinsamen Arbeit (Bordin, 1979) • Beispiele für allgemeine Wirkfaktoren in der Psychotherapie: • • Empathie, Abschwächung sozialer Isolation Erklärungssystem, Klärung und Einsicht Veränderungsbereitschaft, Besserungserwartungen Aktive Patiententeilnahme Ressourcenaktivierung Affektives Erleben und Freisetzung unterdrückter Emotionen, aber auch Affektregulation Problemaktualisierung Korrektive emotionale Erfahrung und Assimilation problematischer Erfahrungen usw. © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Therapeut. Innenfaktoren • Ob und wie die allgemeinen Wirkfaktoren im Rahmen einer Psychotherapie wirksam werden ist abhängig von • im Patienten liegenden Variablen (wie z. B. Therapiemotivation, Intelligenzlevel, Störungsbild, dem sozialen Hintergrund etc. ) • Wesentlich aber von den Kompetenzen und Persönlichkeitseigenschaften des/r Therapeut. In • Zusammenspiel beider Komponenten • Wirksamkeitsunterschiede zwischen Therapeut. Innen der gleichen Methode sind größer als die Unterschiede zwischen den verschiedenen Methoden (U. Willutzki, 2014) © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Therapeut. Innenvariablen • • • Therapeutenvariablen: Objektive Merkmale: Alter, Geschlecht, Grundberuf, theoretische Orientierung und Umfang der Ausbildung scheinen keinen definierbaren Einfluss auf die Effektivität zu haben. Subjektive Merkmale wie Bindungsmuster und therapeutische Haltungen spielen gegenüber objektiven Merkmalen eine bedeutende Rolle: Sichere Bindung (auch erworbene, z. B. durch Psychotherapie) hat positive Effekte auf das therapeutische Arbeitsbündnis > z. B. mehr Wärme und Einfühlung, geringere Anfälligkeit für Gegenübertragungsreaktionen ‚Introjekt Affiliation‘ von Therapeuten/Therapeutinnen, d. h. wie freundlich oder feindselig sie sich selbst gegenüber eingestellt sind, steht in einem Zusammenhang mit dem emotionalen Bündnis aus Sicht der Klienten/Klientinnen. Empathiefähigkeit, Kongruenz, Authentizität (S. Taubner, 2014) © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Involvement • • Orlinsky und Ronnestad (2009) „How Psychotherapists develop“ Einstellung und inneres Beteiligtsein des/r Therapeut. In in Bezug auf sein/ihr eigenes Handeln hat Auswirkung auf Behandlungserfolg Bezieht sich auf die Erfahrung der Therapeutin von sich selbst während des therapeutischen Handelns und basiert auf einer intrinsischen Wahrnehmung Zwei unterschiedliche Kreisläufe Geben Hinweis auf die eigene gegenwärtige Situation und Wirksamkeit als Therapeut. In (Burnout Gefahr, Notwendigkeit für neue Anregungen, Supervision) Situations und Kontextabhängig Können sich in der gesamten Praxis eines Therapeuten zu verschiedenen Zeiten oder bei verschiedenen Patientinnen, oder sogar bei der gleichen Patientin im Verlauf einer Therapie einstellen © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Involvement (Orlinsky und Ronnestad, 2009) „Healing involvement“ • • • „Stressfull involvement“ Die Therapeut. Innen sind offen dafür, sich auf bestätigende Beziehungen mit ihren Patienten einzulassen. Sie sind mit ihren kommunikativen Fähigkeiten in einem hohen Maß empathisch engagiert Haben während der Sitzungen Flow ähnliche Gefühle Grundgefühl von Wirksamkeit und Möglichkeiten, konstruktiv mit auftauchenden Schwierigkeiten umzugehen. Ein bisschen Selbstzweifel ist positiv • • Die Therapeut. Innen fühlen sich unsicher und haben zunehmende Zweifel an ihren Behandlungserfolgen. Sie erleben häufig Schwierigkeiten in der Arbeit und erleben ihre Reaktionen darauf als zunehmend unkonstruktiv. Sie bewältigen das Problem eher durch Vermeidung und laufen Gefahr zu stagnieren. Während der Sitzungen dominieren Gefühle von Langeweile und Ängstlichkeit (Nissen Lie, H. A. , 2012) © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Langzeitstudien (Orlinsky und Ronnestad, 2009) Currently Experienced Growth • • Engagement mit Gefühl von Begeisterung und ständig wachsendem Verständnis ihrer therapeutischen Arbeit. Selbstwahrnehmung in einem ständigen persönlichen Wachstumsprozess Optimismus in Bezug auf die Therapieerfolge Gefühl, eine wertvolle Arbeit zu tun. Offenheit für neues Lernen > wiederkehrende Erneuerung ihrer Motivation für die therapeutische Arbeit. Currently Experienced Depletion (Auszehrung und Verarmung) • • • Zunehmend aus der Routine heraus arbeitend Desillusioniert in Bezug auf die Wirksamkeit ihres Tuns Abnahme der empathischen Responsivität auf ihre Patient. Innen Gefühl von unflexibel sein Kaum ein Gefühl von professioneller Weiterentwicklung Motivation, neue theoretische Inputs aufzunehmen oder Supervision aufzusuchen, nimmt ab © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Therapieverläufe Wahrnehmung der Therapeut. Innen durch Klient. Innen (Orlinsky und Ronnestad, 2009) • • • Positive Therapieverläufe: Persönlich engagiert Orientiert an Zusammenarbeit und wenig direktiv Empathisch und warm bestätigend Gilt auch, wenn durch Außenbeobachtung evaluiert Gilt auch, wenn durch Therapeut. Innen selbst wahrgenommen (entspricht „Healing Involvement“) Negative Verläufe: die Unfähigkeit der Therapeuten, rechtzeitig die emotionale Bedeutung von aktuellen Beziehungsproblemen anzusprechen und mit Störungen der Beziehung umzugehen Festhalten an therapeutischen Techniken im Sinne einer Inflexibilität Reagieren mit dominantem Verhalten und Feindseligkeit auf verdeckte Feindseligkeit der Patienten (Safran et al. , 2002) © Ursula Grillmeier Rehder 2016
EAP Projekt Kernkompetenzen • • 13 Themenbereiche: 1. Die professionelle Handhabung einer eigenverantwortlichen Praxis 2. Die therapeutische Beziehung 3. Exploration, Diagnostik und Konzeptualisierung 4. Vereinbarungen hinsichtlich Ziel, Planung und Strategieentwicklung 5. Techniken und Interventionen 6. Umgang mit Veränderung, Krise und Trauma 7. Abschluss und Evaluation 8. Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen im Feld 9. Supervision, Intervision 10. Ethik und kulturelle Sensitivität 11. Management und Administration 12. Forschung 13. Prävention und Psychoedukation © Ursula Grillmeier Rehder 2016
EAP Projekt Kernkompetenzen • • in: 5. 1. 1. Entwicklung der therapeutischen Arbeitsbeziehung: Die Sichtweise auf den Patienten/Klienten als Person und nicht als Träger von Symptomen die Nutzung der eigenen Empathie und Resonanz gegenüber dem Patienten/Klienten, bei gleichzeitigem Aufrechthalten der professionellen Haltung; in: 5. 2. 1. Fördern der Verarbeitung von Emotionen Die Fähigkeit, die Emotionen der Patientin/Klientin auf vielen verschiedenen Ebenen anzuerkennen; sie zu unterstützen, Hemmungen und Widerstände Gefühle auszudrücken zu überwinden, wenn es wichtig und angemessen ist; mit emotionalen Themen umzugehen, die störend auf die therapeutische Beziehung oder den Therapieprozess einwirken, wie z. B. Angstgefühle, Feindseligkeit, starker Zorn, Affektvermeidung etc. © Ursula Grillmeier Rehder 2016
EAP Projekt Kernkompetenzen • • • in: 5. 2. 2. Aufrechterhaltung psychotherapeutischer Präsenz Präsent zu sein für den Patienten/Klienten, in welchem emotionalen Zustand er sich auch in jedwedem Moment befindet; sich nicht in die emotionalen Verwicklungen der Patientin/Klientin zu verfangen; einen angemessenen Grad von eigener sensorischer und körperlicher Empfänglichkeit zu haben; bewusst, achtsam und fokussiert zu sein; so authentisch (nicht defensiv, kongruent) wie möglich zu sein; erreichbar und nicht von den eigenen inneren Prozessen oder Belangen abgelenkt zu sein; so weit wie möglich in einer präsenten (gegenwartsbezogenen), nicht bewertenden, annehmenden und mitfühlenden Seinshaltung zu bleiben; zu gewährleisten versuchen, dass die eigene emotionale Präsenz nicht negativ auf die des Patienten/Klienten einwirkt – oder eine gesunde Balance zwischen beiden zu finden. © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Spezifische Kompetenzen • • • Kernkompetenzen sind auch Teil der gestalttherapeutischen Kompetenz. Aber es kommt auch etwas dazu. Therapeutische Haltung Innerer Bezugspunkt, Ruhepol, an dem sich das Handeln immer wieder orientiert Aus der therapeutischen Haltung leiten sich spezifische Kompetenzen ab Untermauert die umfassenden Kernkompetenzen mit einem spezifischen theoretischen Hintergrund (vgl. EAGT, 2014) In jeder Psychotherapie gibt es Dialogische Haltung bedeutet in der Gestalttherapie jedoch etwas Spezielles EAGT 13 Anwendungsbereiche entsprechend den EAP Kernkompetenzen Beschreibt die spezifische Haltung und den Hintergrund wie sich dieser in der therapeutischen Arbeit konkret auswirkt Besondere Färbung, resultierend aus Menschenbild, Philosophie und Anthropologie © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Kompetenzen in dieser Studie • • • Ausbildungsbezogenheit, d. h. Didaktik und Evaluation Die Themenfelder tauchen nicht nacheinander auf, sondern gleichzeitig, sich überlappend, situativ Fokus von der Person der Therapeut. In ausgehend: Kompetenzen im Hinblick auf Haltung und Beziehungsgestaltung Daher sind Kernkompetenzen und spezifische Kompetenzen enthalten Wir vermitteln nicht nur Wissen und Techniken Begleitung bei einer tiefgreifenden Persönlichkeitsentwicklung. Ab welchem Moment empfindet und erlebt sich jemand als Psychotherapeut. In und hat er/sie eine Identität als Psychotherapeut. In entwickelt? Kann sie die eigene Person als Instrument verwenden und ist nicht mehr nur damit beschäftigt, methodisch und wissensmäßig alles richtig zu machen? Mit welcher Haltung schaut sie auf die Phänomene, steht sie mit sich selber in Verbindung, geht sie in die Beziehung, gestaltet sie die therapeutische Beziehung? Therapeutische Haltung als eine Bereitschaft und Fähigkeit, sich zur Verfügung zu stellen, die durch die therapeutischen Rahmenbedingungen begrenzt und geschützt wird und nur in diesem Kontext zur Ausprägung kommt. © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Forschungsfragen • 1) Welche Kompetenzen in Bezug auf die therapeutische Haltung und die therapeutische Beziehungsgestaltung sind für die gestalttherapeutische Berufspraxis relevant? • 2) Die Entwicklung welcher Kompetenzen betrachtet die Mehrheit der Lehrenden und Ausgebildeten im IGW/IGWien als wesentliches Ausbildungsziel? • 3) Inwieweit gelingt die Entwicklung dieser Kompetenzen in der Ausbildung tatsächlich? • 4) Wie entwickeln sich diese Kompetenzen im Laufe der Ausbildung und danach? • 5) Mit welchen didaktischen Mitteln wird diese Entwicklung am besten gefördert? © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Untersuchungsort • • Institut für Integrative Gestalttherapie IGWien: Psychotherapeutisches Fachspezifikum seit 1998 Kooperationen: IGW Würzburg (Gründung 1976), IGW Schweiz, Sigmund Freud Universität seit 2006 Curriculum und Ausbildungskonzept: 4 d Auswahlseminar, Selbsterfahrung (Einzel und Gruppensetting) 466 AE, Theorie/Methodik 604 AE, Supervision (Einzel und Gruppensetting) 360 AE, Praktikum 550 AE, psychotherapeutische Praxis 600 AE, schriftliche Abschlussarbeit Enge Theorie/Praxisverschränkung: Selbsterfahrung, Methodik (Üben in Triaden als Modellpatient. In, Therapeut. In und Beobachter. In mit Livesupervision und unmittelbarem Feedback) verbunden mit Theoriereflexion Lernen in Beziehung: Lernfeld einer kontinuierlichen Ausbildungsgruppe über 5 Jahre (max. 16 TN), begleitendes Trainerpaar, vielfältige (auch internationale) Trainer. Innen für Sonderseminare, Peergruppenarbeit Evaluation der persönlichen Entwicklung in Feedbackseminaren durch mehrperspektivische Selbst und Fremdeinschätzung (Gruppenteilnehmer. Innen und Trainer) © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Forschungsdesign 1. 2. 3. • • Beschreibung der gestalttherapeutischen Kernkompetenzen aus der Literatur in Bezug auf: therapeutische Haltung, therapeutische Beziehung Expertenbefragung N=13: 10 Ausbildungsgruppenleiter. Innen IGWien 3 externe Experten aus ÖAGG FS IG, ÖVG 5 stufige Bewertungsskala: von 2 (keine Relevanz) bis +2 (unabdingbare Kernkompetenz) Onlinebefragung über So. Sci. Survey Zeitraum: 13. 5. 30. 6. 2015 Bewertung der einzelnen Kompetenzen (6 stufige Bewertungsskala) im Hinblick auf: Relevanz (6 unverzichtbar 1 verzichtbar) Vermittlung in der Ausbildung (6 ausreichend trainiert 1 nichts davon gehört) Anwendungssicherheit (6 völlig vertraut – 1 sehr unsicher) Qualitative Fragen zu: wesentlichen Elementen der eigenen Praxis, wertvoll, fehlend bzw. problematisch erlebten Ausbildungselementen Statistische Auswertung qualitative Textanalyse nach Mayring © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Stichprobe der Online Umfrage • • Ausbildungsteilnehmer. Innen, Graduierte und Lehrtherapeut. Innen des IGWien, des IGW Würzburg und des IGW Schweiz Ausgesendet via E Mail an N= 851 Geschlecht beantwortet N=368 vollständig auswertbar N= 205 4% 22% Männlich Weiblich ohne Angabe 12% 5% Alter 18% 73% Expertise 20 30 31 40 41 50 33% 23% 18% 51 60 31% in Ausbildung vor Praxisphase in Ausbildung Praxisphase unter Supervision more than 61 22% 36% Graduierte Psychotherapeut. Innen Lehrtherapeut. Innen © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Verteilung Länder 32 98 75 © Ursula Grillmeier Rehder 2016 IGWien Österreich IGW Deutschland IGW Schweiz
Ableitung der gestalttherapeutischen Kernkompetenzen aus der Literatur A: therapeutische Haltung • • • A. I. Bewusstheit (Awareness) im Hier und Jetzt 1. Awareness für die Gestaltbildungen im intersubjektiven Feld 2. Ästhetische Kompetenz für die Qualität der Gestaltbildung 3. Flexibilität zwischen den verschiedenen Ebenen der Awareness A. II. Die eigene Person als therapeutisches Instrument zur Verfügung haben 1. Präsenz 2. Vertrauen in den Prozess 3. Zurückhaltung A. III. Phänomenologische Haltung 1. Prozessorientierung 2. Kreativität 3. Respekt © Ursula Grillmeier Rehder 2016
A. II. Die eigene Person als therapeutisches Instrument zur Verfügung haben • A. II. 1 Präsenz • • • Offenheit, Spontaneität, Ehrlichkeit und Verantwortlichkeit im Kontakt zeigen können Als Person im Kontakt präsent und greifbar sein können, ohne sich hinter einer Rolle zu verstecken Commitment eingehen und sich menschlich spürbar einlassen können • A. II. 2 Vertrauen in den Prozess im Sinne der > paradoxen Theorie der Veränderung • In die Wachstums und Kontaktintentionalität des/r Klient. In vertrauen können und die Orientierung auf seine/ihre Selbstbestimmung aufrechterhalten können Fähigkeit, der organismischen Selbstregulation des/r Klient. In Raum zu geben und den „richtigen Zeitpunkt“ zu erkennen, um den Übergang zum jeweils > nächsten natürlichen Schritt im Prozess des/r Klient. In begleiten zu können Fähigkeit, Widerstände und Störungen als kreative Leistungen, die der Selbstunterstützung des/r Patient. In in früheren schwierigen Situationen gedient haben, wertzuschätzen und als Ressourcen verfügbar zu machen. • • © Ursula Grillmeier Rehder 2016
A. II. Die eigene Person als therapeutisches Instrument zur Verfügung haben • A. III. 1. Prozessorientierung • A. III. 1. a. Die Fähigkeit, den Kontakt mit dem/r Patient. In von der Ebene des abstrakten „darüber Redens“ ins konkrete gegenwärtige Erleben und die darin bestehenden Handlungsmöglichkeiten und Entscheidungsspielräume zu führen • A. III. 1. b. Die Fähigkeit, das Beziehungsgeschehen und das „Wie“ der Darstellung als bedeutungsvolles Phänomen zu verstehen, dies reflektieren und in angemessenen sprachlichen Ausdruck bringen zu können • A. III. 1. c. Die Fähigkeit, zu begreifen, was im Augenblick das Lebendigste, Vordergründigste und Prägnanteste für den/die Klient. In ist, darin relevante Elemente erkennen und darauf den Fokus legen zu können, bzw. abschätzen zu können, ob der Klient gegenwärtig damit konfrontierbar ist © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Ableitung der gestalttherapeutischen Kernkompetenzen aus der Literatur B: therapeutische Beziehung • • • B. I. Begegnungsfähigkeit 1. Kontaktfähigkeit 2. Empathiefähigkeit 3. verbale und non verbale kommunikative Kompetenz B. II. Dialogische Haltung 1. existenzielles Annehmen und Bestätigen 2. Umfassung 3. Authentizität B. III. Fähigkeit zur therapeutischen Beziehungsgestaltung 1. Klarheit über therapeutisches Verhältnis 2. Umgang mit Übertragung/Gegenübertragung 3. prozessuale Diagnostik © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Ergebnisse der Expert. Innenbefragung • „Differenzierungsproblem“ alles ist wichtig • Entwicklungsdimension • Ergänzungen: Umgang mit Leibprozessen, Sexualität und Genderthemen, Umgang mit eigenen narzisstischen Begrenzungen und Ansprüchen • Betonung von Theorie Reflexionsfähigkeit u. a. in Bezug auf klinische Störungsbilder, Diagnostik, traumaspezifisches Vorgehen, Interventionslehre, Gestalttheorie und psychoanalytische Grundkenntnisse, Persönlichkeitstheorie • In Online Studie aufgenommen nur mit +2 und + 1, 9 bewertete Kompetenzen © Ursula Grillmeier Rehder 2016
58 Kompetenzen in 9 Clustern Therapeutische Haltung Therapeutische Beziehung Theorie/ Behandlungspraxis Awareness Spezifisch-dialogische Haltung Basiskompetenzen Awareness für leibliche Prozesse Awareness für sensorische Prozesse Awareness für emotionale Prozesse Awareness für mentale Prozesse Dialogische Haltung Gemeinsame Bedeutungskreation Inklusion (M. Buber) Eigene Grenzen schützen Ethisches Handeln Eigeninteressen zurückstellen können Psychohygiene Awareness für interaktionale Prozesse Diagnostik als Intervention Eigene Kontaktunterbrechungen Dialogische Diagnostik Bedürfnisse erkennen Das Beziehungsgeschehen verstehen Reflexionsfähigkeit für die eigene Sexualität Beziehungsangebote verstehen Spezielle Behandlungstechniken Zugang zur Intuition Machtspielebene erkennen Präsenz/Kontakt im Hier und Jetzt Empathie- und Begegnungsfähigkeit Support geben Konfrontieren Frustration Eigene Person als therapeutisches Instrument Selbstverantwortlichkeit Empathiefähigkeit Existenzielles Annehmen und Bestätigen gestalttherapeutisches Experiment Präsenz im Kontakt Resonanzfähigkeit Reflexive Kompetenzen auf der theoretischen Ebene Erfassen der existentiellen Situation Erlebnisorientierung im Hier und Jetzt Zurückhaltung narzisstischer Impulse Reflexionsfähigkeit für eigene narzisstische Reaktionen Respekt Grundkonflikte erfassen Übertragungen erkennen Authentizität Selektive Authentizität Umgang mit Gegenübertragung Vermeidungen erkennen Therapeutische Abstinenz Verbal-kommunikative Kompetenzen Prozessreflexion Wissen über spezielle Störungsbilder Phänomenologische Haltung Vertrauen aufbauen Gestalt Basiskonzepte Theorie Phänomenologische Betrachtungsweise Organismische Selbstregulation fördern Sich korrigierbar halten Lebendiger sprachlicher Ausdruck für Gefühle Verbalisierung von empathischem Verstehen Ziele definieren Feinfühligkeit für Genderfragen und kulturelle Diversität Gestalt Basiskonzepte Praxis Ressourcenorientierung Umgang mit Macht und Ohnmacht Supervisionsnotwendigkeiten erkennen © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Aw te in t ot en m m dü Be ra br kt ec hu rfn ng iss en e er ke nn Re en fl Se xu al itä th er t In ap tu Se eu iti lb t I on st ns ve t r ra um nt en w or t tli ch ke it Er Pr fa ä ss en sen Er z le bn Situ at iso io rie n nt ie ru Se Au ng le th kt en Th ive ti er ap Aut zitä t he eu nt tis izi ch t e Ab ät st Ph in e än om nz Se en lb ol st og re gu la tio ko n rri gie rb ar er nt U ne Ei ge Aw ib ns se e Aw Aw le Aw Statistische Ergebnisse Therapeutische Haltung 6. 00 5. 00 4. 00 3. 00 Relevanz 2. 00 Ausbildung Sicherheit 1. 00 © Ursula Grillmeier Rehder 2016
e al Di Be © Ursula Grillmeier Rehder 2016 n ge le Zie fra er nd Ge og isc he de H al ut tu un ng In g s k k l r us Ei ea ge i ti ne on (M on G Di re. B ag ub nz no e er n st ) sc ik hü al Be s D tz In ia zie en gn te hu r o ve st ng n isc Be s he tion zie ges ch hu eh Akti ng v en sa ve ität ng M rs eb ac te ht ot he sp e n v ie e le be rste he ne Em erk n Ex en ist path ne en ie n fä zie hi lle s A gke it n Re so neh m na en nz fä Zu higk rü ei t ck ha ltu Re ng fl na rz iss Ve Ve t rb rtr R es al a isi u p er Sp en a ekt un g v rach ufb au on e en fü e r m pa Ge fü th hl. V e er st eh en am ei ns m Ge Statistische Ergebnisse Therapeutische Beziehung 6. 00 5. 00 4. 00 3. 00 2. 00 Relevanz 1. 00 Ausbildung Sicherheit
rü Ps ck yc st ho hy gie ne Su pp Ko or nf t ro nt at io n Fr us tra tio Gr Ex un n pe dk rim on Üb fli en er kt t tra e er gu f as ng se en n e Ge rk e ge nn nü en be rtr ag Ve un rm g ei du Su ng pe en rv e rk en Pr oz ne es n sr ef le xio sp n ez ie Ge l le st St B ör as is T Ge he or st B ie as is M Pr ac ax ht is O hn m ac ht Re ss ou rc en n de l an zu er nt s H sc he ni Ei ge hi Et Theorie Reflexion Behandlungsmethodik 6. 00 5. 00 4. 00 3. 00 Relevanz 2. 00 Ausbildung Sicherheit 1. 00 © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Einschätzung der Relevanz Keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Expertise Gruppen (MANOVA, F(3, 198)=. 15 to 1. 45, p>. 05) Pearson‘s correlation (Expertise <> Relevanz) r= , 005, p>. 05 Unverzichtbar 6. 0000 Entwicklungs ziel 5. 0000 2. 0000 Praxisphase Graduierte 1. 0000 Lehrtherapeut. Innen n tio th m m un i ka pa og al di © Ursula Grillmeier Rehder 2016 Ko he isc Em H al ie ng tu al tu ng t ol Ph än om en en äs Pr . H og ie z H A w ng ltu Ha tz r& en ar fle re rie eo Je es xio n k di ho et Th M s 0. 0000 th. Verzichtbar Vor Praxis P Rein abstrakt 3. 0000 lg. Handwerks zeug 4. 0000 Al Orientierungs hilfe
Training in Ausbildung Signifikanter Unterschied zwischen Ausbildungskandidat. Innen vor und während der Praxisphase. (MANOVA, F(3, 198)=3. 42 to 11. 20, p<. 05, außer für Awareness). Pearson‘s r (Expertise <> Training in Ausbildung)=. 13, p <. 01. Absteigende Linie mit zunehmender Expertise 3. 0000 Vor Praxisphase 2. 0000 Graduierte 1. 0000 Lehrtherapeut. Innen n th © Ursula Grillmeier Rehder 2016 Ko m m un ika pa isc Em H he tio ie ng al tu ng og al di en om Ph än Pr äs en ol z H og ie . H r& al Je tu tz t s es en ar Ha ltu ng A w re rie eo Th M et fle ho di xio n k . 0. 0000 th Habe in der Ausbildung noch nichts davon gehört 4. 0000 P Blieb un verständlich 5. 0000 lg. Wird erst in Praxis einsichtig 6. 0000 Al Wurde ausreichend trainiert Wurde theoretisch wie praktisch geübt Wurde theoretisch erwähnt
Sicherheit in der Handhabung Hoch signifikante Unterschiede zwischen den Expertisegruppen in Bezug auf die Anwendungssicherheit in der Praxis. (MANOVA, F(3, 198)=6. 10 to 20. 45, p<. 01). Pearson‘s r (expertise <> percieved security)=. 41, p<. 01 Völlig vertraut und präsent Verfügbar, bei bewusst machen Noch nicht sicher Kaum Anwendung in der Praxis Schwierig handzuhaben 6. 0000 5. 0000 4. 0000 3. 0000 Vor Praxisphase 2. 0000 Graduierte Lehrtherapeut. Innen 1. 0000 Sehr unsicher © Ursula Grillmeier Rehder 2016 n ika un m Ko m Em pa th tio ie ng H he isc di al og ol Ph än om en en äs Pr al tu ng al. H og ie z H A w ng ltu tu tz Je r& en ar fle re Ha rie eo Th t s es xio n k di ho et M Al lg. P th. 0. 0000
Hauptkategorie qualitative Antworten (darin explizit genannte Begriffe) Nennungen (n=181) Kompetenzen aus der Umfrage Top Box MW in allen Bereichen >5 Kontakterleben im Hier und Jetzt Kontakt im Hier und Jetzt 105 77 Präsenz im Kontakt, Authentizität, Erlebnisorientierung, therapeutisches Instrument sein Dialogische Haltung 75 47 Dialogische Haltung Reflexive Kompetenzen auf der theoretischen Ebene darin: Ressourcenorientierung 63 18 Ressourcenorientierung Awareness Körpererfahrung 68 25 Awareness für leibliche, sensorische, emotionale, mentale Prozesse Behandlungstechniken kreatives Experiment 66 44 Phänomenologische Haltung Phänomenologischer Zugang Menschenbild Humanistisches Menschenbild Begegnungsfähigkeit Wertschätzung, Empathie verbal kommunikative Kompetenzen 60 18 42 18 40 27 7 Experiment (nur Relevanz und Ausbildung > 5, Sicherheit 4, 91) Basiskompetenzen 19 Selbstverantwortlichkeit Fähigkeit zu Empathie, Inklusion, existenzielles Annehmen, Respekt, Resonanzfähigkeit Vertrauensatmosphäre aufbauen können, Verbalisierung von empathischem Verstehen © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Ausgewählte Ergebnisse Relevanz • Keine Kompetenzen < 4. 0 (d. h. Unverzichtbar, Entwicklungsziel oder Orientierungshilfe) • Stiefkinder (< 5. 0): • • Frustration Diagnostik als Intervention Dialogische Diagnostik gemeinsame Bedeutungskreation Reflexionsfähigkeit für die eigene Sexualität Genderfragen Machtspielebene erkennen Gestalt Basiskonzepte Theorie © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Ausgewählte Ergebnisse Ausbildung Training schon von Beginn an intensiv, d. h. vor Praxisphase >5 bewertet: • • Authentizität Awareness für leibliche Prozesse Awareness für emotionale Prozesse Awareness für sensorische Prozesse Awareness für mentale Prozesse Inklusion Resonanzfähigkeit © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Von Kandidat. Innen in der Praxisphase und Graduierten > 5 bewertet > Schwerpunkte der Ausbildung im IGWien: • • • Awareness für emotionale Prozesse Awareness für sensorische Prozesse Awareness für mentale Prozesse Awareness für leibliche Prozesse therapeutisches Instrument sein dialogische Haltung Präsenz Resonanzfähigkeit Authentizität Respekt existenzielles Annehmen • • • Vertrauen aufbauen Empathiefähigkeit Verbalisierung von empathischem Verstehen Selbstverantwortlichkeit Bedürfnisse erkennen Erlebnisorientierung Ressourcenorientierung Experiment Phänomenologische Betrachtungsweise © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Sicherheit • • • Bei allen Gruppen zeigt sich mit zunehmender Erfahrung eine kontinuierliche Zunahme an komplexeren und spezifischeren Kompetenzen: im Bereich der Wahrnehmung von und des Umgangs mit Beziehungsvariablen z. B. Awareness für interaktionale Prozesse, Beziehungsangebote und Beziehungsgeschehen verstehen, Dialogische Diagnostik u. a. • • • Schon von den in der Anfangsphase stehenden Kandidatinnen als sicher (>5) erlebt > Interpersonelle Kompetenzen bei der Auswahl der Kandidat. Innen Respekt Präsenz Empathiefähigkeit Vertrauen aufbauen dialogische Haltung Awareness für emotionale Prozesse Authentizität Eigeninteressen zurückstellen können Ressourcenorientierung Awareness für sensorische Prozesse Resonanzfähigkeit © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Be or Th e ur tra or h up SE p ie v E gr. Lt gr o er Pe . z. en ng us b. d. A ef l. S xp +E p Su fl g Re rif fe tli ra ch te e Fa lld Ab ar sc st hl. us sc hr sa ift rb l. T ei t he or ie re fl. sc h . i. hu zie Be en t. r re th eo hu ng zie Üb SE Re is+ ax Pr B+ +F Üb t. ak pr Als wichtig erlebte Ausbildungselemente 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% Kand vor Prax n=35 Kand ab Prax n=72 30% Graduierte n=46 20% Lehrtherapeut. Innen n=45 10% 0% © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Was in der Ausbildung gefehlt hat Qualitative Analyse � 181 von n= 205 TN haben auch die offenen Fragen beantwortet: � 52 TN äußern sich explizit und differenziert dazu, dass die Theorievermittlung zu kurz kommt, zu wenig Basiswissen vermittelt wird, zu wenig Reflexion von Selbsterfahrung und Interventionen, zu wenig Praxistransfer stattfindet und die Anforderungen hier viel zu gering sind � 29 TN finden, dass viel zu wenig klinisches Wissen über Störungsbilder vermittelt wird und wünschen sich mehr klinische Seminare, auch als Möglichkeit der Fortbildung � 18 TN fehlt eine ausreichende Vermittlung von Diagnostik � 12 TN fehlt die Behandlung des Themas Sexualität in der Ausbildung � 6 TN erwähnen explizit, dass die (auch rechtlichen) Rahmenbedingungen für die Führung der Praxis nicht ausreichend vorkommen � Jeweils zwischen 5 10 TN nennen als zu wenig vermittelt: Arbeit mit Gruppen 5 Übertragungsprozesse 5 Bessere Betreuung der Abschlussarbeit 5 Psychohygiene 4 � Die Antworten sind verteilt über alle 3 Länder und über alle Stufen der Expertise © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Was in der Ausbildung problematisch ist � 77 Problematisch erlebte Ausbildungssituationen � 17 davon: schwierige Situationen und Konstellationen in der Ausbildungsgruppe und mangelnde Unterstützung bei deren Auflösung, bzw. Konflikte mit Lehrenden, die nicht aufgelöst werden konnten � 14 äußern sich sehr kritisch zum Thema „Macht der Trainer“ und unreflektierte Machtausübung. � 11 Unvorbereitete und intransparente Entscheidungen bei Feedbacks � 9 Narzissmus von Trainern, damit verbunden Erfahrung von Beschämung, Angst und Scham © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Problematisches • • Als weitere problematische Punkte werden genannt: Ungeeignete Kandidat. Innen in der Gruppe, die den Prozess behindern 3 Zu große Gruppen (über 15 TN) 3 Uneinheitliche Regeln im Institut, insbesondere bei der Statusvergabe 13 Intransparente Struktur von Seminaren 7 Nur in 12 Fällen: problematische Situationen während der Ausbildung erwähnt, die nicht aus einer schwierigen Beziehung zu Lehrenden resultierten (z. B. finanzielle Probleme, persönliche und familiäre Belastungen, die in die Ausbildung hineinspielten) In den 12 Antworten von Teilnehmer. Innen, deren Ausbildung mehr als 21 Jahre zurückliegt, lassen sich 3 Themenbereiche abgrenzen, die nur dort vorkommen: die Betonung von problematischem, ungehemmten Konfrontieren, das bis zur Traumati sierung gehen konnte, ohne ausreichend Unterstützung bei der Integration. sog. „Westküstenstil“ (3), mangelnde Reflexion von Übertragungsprozessen (3) und mangelnde Auseinandersetzung mit ethischen Themen wie sexuellen Angeboten der Trainer (3), ausdrückliche Theoriefeindlichkeit bzw. mangelnde theoretische Fundierung (4). © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Wertvolle Erfahrungen in der Ausbildung Selbsterfahrung 129 Ausbildner. Innen Selbsterfahrung allgemein 30 Erfahrungen im Gruppensetting 44 Qualitäten der Gruppe 7 Lehrtherapeut. Innen 2 Modellwirkung der Ausbildner. Innen/ gelebte Gestalthaltung der Lehrenden im Kontakt 56 16 Unterschiedliche (auch internationale) Ausbildner. Innen/ 16 Erfahrung der Methode an sich selbst in Selbsterfahrung Lehrtherapeut. Innen Intensivseminare (Kompakttraining, 2 Wochen) 20 Beziehung zu Ausbildner. Innen/ Lehrtherapeut. Innen Einzellehrtherapie 13 26 © Ursula Grillmeier Rehder 2016 11
Wertvolle Erfahrungen in der Ausbildung Theorie und Praxiserfahrung 40 Theorieerarbeitung Referate 5 Praktisches Üben in Triaden + Reflexion + Feedback Supervision 16 16 Lernfaktoren Feedbacks 9 Theorie Praxis Verknüpfung 13 Selbsterfahrung + Reflexion 16 Zeitpunkt Selbsterfahrung zu Beginn 1. Jahr 5 (frühe) Praxiserfahrung 4 Balance zwischen Sicherheit und Herausforderung Praxisreflexion 3 52 3 Zeitaspekt der Ausbildung für Reifung und Entwicklung © Ursula Grillmeier Rehder 2016 2
Wertvolle Erfahrungen in der Ausbildung persönliche Faktoren 10 2 Passung Methode Persönlichkeit 3 Freiheit zur Entwicklung eigener therapeutischer Identität 19 Beziehung zu Peers in der persönliche Entwicklung als Gewinn Peers 3 Gruppe 14 Arbeit in der Peergroup 5 Einzelne Elemente der Ausbildung 12 Klinische Seminare 8 Sensory Awareness 4 Theorie und Lebensbezug 2 © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Wertvolle Erfahrungen in der Ausbildung • 14 konkrete Lernerfahrungen während der Ausbildung, z. B. Entwicklung von differenzierter Fremd und Selbstwahrnehmung, verbale und nonverbale Ausdrucksfähigkeit für emotionale Prozesse, Steigerung der Beziehungsfähigkeit • 25 Items beziehen sich auf wertvolle inhaltliche Aspekte, vergleichbar den wesentlichen Elementen der eigenen Praxis © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Wertvolle Erfahrungen in der Ausbildung besondere Qualitäten der Gruppenerfahrung • • vertrauensvolles Klima in der Gruppe gegenseitiger Respekt Kontinuität der Gruppe über die ganze Ausbildungszeit wichtige menschliche Begegnungen Lebendigkeit und Offenheit als Entwicklungsraum Verstehen des Beziehungsgeschehens Möglichkeit aus eingefahrenen Rollen auszusteigen Qualitäten der Ausbildner. Innen • • • Authentizität wertschätzende, liebevolle Begleitung empathische Unterstützung menschliche, offene Grundhaltung Präsenz als Gegenüber © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Schlussfolgerungen • Die Werthaltungen und Einschätzungen der therapeutischen Haltung sind bei den Personen, die sich für Gestalttherapie entscheiden, ziemlich homogen. • Es gibt für die Gestalttherapie spezifische Elemente, die von den Praktiker. Innen auch Jahre nach der Graduierung als wesentliche Bestandteile ihrer Arbeit identifiziert und angewandt werden: Kontakt und Erlebnisorientierung im Hier und Jetzt, das gestalttherapeutische Experiment, die dialogische Haltung, die Einbeziehung des Körpers, Ressourcenorientierung, ein humanistisches Menschenbild • Praxiserfahrung ist entscheidend für die Sicherheit im Umgang mit den notwendigen Kompetenzen. © Ursula Grillmeier Rehder 2016 © Ursula Grillmeier Rehder 2015
Schlussfolgerungen �Für Kandidat. Innen zu Beginn der Ausbildung spielt die reine Selbsterfahrung noch eine große Rolle; ebenso stehen Theorievorträge und die Erarbeitung der Theorie in den Peergroups im Vordergrund, was dem Curriculum entspricht. �Dies geht im weiteren Ausbildungsverlauf gegenüber dem praktischen Tun deutlich zurück, wobei Graduierte Theorievorträge tendenziell ebenfalls höher einschätzen. �Dies spiegelt sich auch in der qualitativen Analyse, wo das Alleingelassen worden sein mit der Theorie am Anfang der Ausbildung als Fehlend beschrieben wird. �Selbsterfahrung ohne theoretische Reflexion wird vergleichsweise niedrig bewertet © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Schlussfolgerungen Beziehungen �Lehrtherapeut. Innen unterschätzen tendenziell die Wichtigkeit der Beziehungen in der Ausbildungsgruppe im Vergleich zu den Graduierten und den Kandidat. Innen in der Supervisionsphase. Für diese beiden sind die Beziehungen in der Gruppe sehr bedeutungsvoll. �Von den Lehrenden wird die Beziehung zwischen Lehrenden und Kandidat. Innen am höchsten eingeschätzt > das zeigt die Bereitschaft, sich einzulassen und zu engagieren in der Ausbildungsbeziehung. �Die Bedeutung der Beziehungen zu einzelnen Lehrenden steigt im Ausbildungsverlauf an. �Für die Kandidat. Innen vor der Praxis werden die Peergroups signifikant wichtiger eingeschätzt als von allen anderen Gruppen. © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Schlussfolgerungen Theorie und Praxis � Die hohe Bewertung der Verflechtung von Theorie und Praxis im Ausbildungskonzept des IGWien wird durch die Studie voll bestätigt. � Ebenso hoch wird der Wert des Übens mit theoretischer Reflexion und Feedback gewertet (Methodik) � Die Bedeutung von theoretischer Reflexion per se, d. h. ohne unmittelbaren Praxisbezug, liegt in allen Gruppen relativ weit hinten. � Ambivalentes Verhältnis zur Theorie: Bei Relevanz eher hinten, aber wird mehr eingefordert > Praxisrelevanz; zuerst vorrangig persönliche Kompetenzen, tw. verpackt in anderen Kompetenzen (Awareness Konzept, dialogisches Prinzip) � Falldarstellungen werden von den Graduierten rückwirkend höher bewertet. � Die Bedeutung der Abschlussarbeit wird von den Lehrenden wesentlich höher gewertet, als von allen anderen Gruppen. � Für alle Gruppen, die in der Praxis sind, ist die Rolle der Supervision herausragend. © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Limitationen • • • Anwendungssicherheit basiert lediglich auf Selbsteinschätzung. > Methodentriangulation; Involvement Konzepte; Intrinsische Diagnostik Anzahl der Kompetenzen mit 58 sehr groß, Frage Antwort Optionen wurden aus Gründen der Vergleichbarkeit nicht variiert > könnte zu Ermüdungserscheinungen und geringerer Differenziertheit bei der Beantwortung geführt haben. Kompetenzen besitzen alle insgesamt eine hohe Relevanz, Differen zie rungs möglichkeiten waren de facto nicht sehr hoch. Nichts des totrotz waren die Aussagen im Ergebnis schlüssig und differenziert. Aufbau und Skalierung der Antwortoptionen war des Fragebogens im Hinblick auf die Auswertung nicht vollkommen schlüssig, da darin implizite qualitative Elemente enthalten waren > leichte Verfremdung des Ergebnisses z. B. bei Training in der Ausbildung © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Ausblick • • Auswahl der Kompetenzen sehr gestaltspezifisch > wenig Möglichkeiten der Varianz Weiterführend interessant: Daten, die therapeutische Haltungen anderer Therapiemethoden mit einbeziehen Die Kompetenzen sind hochabstrakte Konstrukte, teilweise einander bedingend und miteinander vernetzt. Weiterführend interessant: a. Eine praxisnahe Untersuchung derselben Frage („Welche gestalttherapeutischen Kompetenzen sind in der Praxis relevant und können aus dieser abgeleitet werden? “) wäre ein weiteres lohnendes Projekt für eine qualitative Studie, z. B. mit Grounded Theory. b. Weitere tiefenhermeneutische Untersuchungen im Hinblick auf Entwicklung und Vermittlung der Kompetenzen im Ausbildungsverlauf (z. B. qualitative Beobachtungsdaten und Interviews von Ausbildungsteilnehmer. Innen und Supervisor. Innen aus Methodik und Supervision) © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Ausblick • • • Gezielter Einsatz der differenzierten Kompetenzen im Hinblick auf Didaktik (z. B. thematische Schwerpunkte in der Methodik, persönlicher Bezug, Vernetzung mit Falldarstellung und Supervision) Weiterführend interessant: ergänzende Untersuchungen mit Fremdbeobachtung > Entwicklung weiterer Instrumente für die Evaluation Dialog mit anderen Psychotherapiemethoden und vergleichbaren Kompetenzen (hat minimal schon begonnen im Zuge des Interrating) Eine weitere Untersuchung könnte der Frage dienen, ob und wie sich Ausbildung oder Praxis ver ändern, wenn die Kompetenzen bewusst und explizit trainiert und eingesetzt werden. Die beschriebenen differenzierten Kompetenzen könnten dazu dienen, das eigene therapeutische Handeln aus verschiedenen Perspektiven heraus zu reflektieren und den eigenen Standort im Zusammenspiel mit anderen Psychotherapiemethoden zu definieren. © Ursula Grillmeier Rehder 2016
�Danke für die Aufmerksamkeit! �Ein herzlicher Dank allen, die bei der Studie mitgemacht haben! © Ursula Grillmeier Rehder 2016
Quellen • • • Curriculum des IGW/IGWien 2010 Spezifische Kompetenzen von Gestalttherapeut. Innen EAGT 2014, www. eagt. org European Association of Psychotherapy (EAP) (Accepted at the EAP AGM, Moscow, July 2013): The Core Competencies of A European Psychotherapist Grundlagenliteratur Gestalt: • Amendt Lyon, N. /Spagnuolo Lobb, M. : Die Kunst der Gestalttherapie Eine schöpferische Wechselbeziehung, Wien New York 2006 • Buber, M. : Das dialogische Prinzip, Gütersloh 2006 • Greenberg, L. /Rice, N. /Elliot, R. : Emotionale Veränderung fördern Grundlagen einer prozeß und erlebensorientierten Therapie, Paderborn 2003 • Hartmann Kottek, L. : Gestalttherapie, Wien New York 2004 • Perls, F. /Hefferline, R. /Goodman, P. : Gestalt Therapie: Bd. 1 Lebensfreude und Persönlichkeitsentfaltung, Bd. 2 Wiederbelebung des Selbst, Stuttgart 1979 • Perls, L. : Leben an der Grenze: Essays und Anmerkungen zur Gestalt Therapie Köln 2005 • Staemmler, F. : Was ist eigentlich Gestalttherapie? Köln 2009 • Yontef, G. : Awareness, Dialog, Prozess: Wege zu einer relationalen Gestalttherapie, Köln 1999 Weitere Literatur: • V. Heyse & M. Giger (Hg. ) 2015: Erfolgreich in die Zukunft. Schlüsselkompetenzen in Gesundheitsberufen, Heidelberg, medhochzwei, S. 219 236 • Nissen Lie, H. A. , Monsen, J. T. , Ulleberg, J. , Ronnestad, M. H. (2012): Psychotherapists’ self reports of their interpersonal functioning and difficulties in practice as predictors of patient outcome, Psychotherapy Research, DOI: 10. 1080/10503307. 2012. 735775 Link: http: //dx. doi. org/10. 1080/10503307. 2012. 735775 • Orlinsky und Ronnestad (2009): How Psychotherapists Develop. American Psychological Association, Washington DC, erste Auflage 2005; zweite Auflage 2009 • Taubner, S. (2014): „Kompetenzentwicklung von Psychotherapeuten und –therapeutinnen in Ausbildung“ Vortrag auf der wissenschaftlichen Fachtagung „Praxisorientierte Psychotherapieforschung – Verfahrensübergreifende, patientenorientierte Aspekte und Kompetenzentwicklung“ des der Koordinationsstelle Psychotherapieforschung an der Gesundheit Österreich Gmb. H/ Geschäftsbereich ÖBIG, im Auftrag des BM für Gesundheit, Österreich, 7. 11. 2014, zitiert aus dem Tagungsband vom März 2015 • Darin: • Beutler, L. E. ; Machado, P. P. P. & Neufeldt, S. A. (1994): Therapist Variables. In A. E. Bergin & S. L. Garfield (Eds. ), Handbook of psychotherapy and behavior change. 4. Aufl. ; 229 269. New York: Wiley • Schauenburg, Henning; Buchheim, Anna; Beckh, Katrin; Nolte, Tobias; Brenk Franz, Katja; Leichsenring, Falk; Strack, Micha; Dinger, Ulrike (2010): The influence of psychodynamically oriented therapists' attachment representations on outcome and alliance in inpatient psychotherapy [corrected]. In: Psychother Res 20/2: 193 2 • Taubner, S. , Ulrich Manns, S. , Klasen, J. , Curth, C. , Möller, H. , Wolter, S. (2014 b): Innere Arbeitsmodelle von Bindung und aversive Kindheitserfahrungen bei Psychotherapeuten in Ausbildung, in: Psychotherapie Forum 19, S. 2 12 • Will, H. (2010): Psychoanalytische Kompetenzen: Standards und Ziele für die psychotherapeutische Ausbildung und Praxis, (2. Auflage) Stuttgart, W. Kohlhammer • Wampold, B. E. (2001): The Great Psychotherapy Debate: Models, Methods and Findings. Mahwah, NY • Willutzki, U. (2014): „Was macht eine gute Therapeutin/einen guten Therapeuten aus und lässt sich dafür etwas tun? “ Vortrag auf der wissenschaftlichen Fachtagung „Praxisorientierte Psychotherapieforschung – Verfahrensübergreifende, patientenorientierte Aspekte und Kompetenzentwicklung“ des der Koordinationsstelle Psychotherapieforschung an der Gesundheit Österreich Gmb. H/ Geschäftsbereich ÖBIG, im Auftrag des BM für Gesundheit, Österreich, 7. 11. 2014, zitiert aus dem Tagungsband vom März 2015 © Ursula Grillmeier Rehder 2016



























































