Anatomie Physiologie der Atmung erstellt von markus toenniesdrklahde













































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Anatomie / Physiologie der Atmung (erstellt von markus. toennies@drk-lahde. de)
Lernziele • Funktionsweise der Atmung • Atemstörungen • Maßnahmen bei Atemstörungen
Funktion der Atmung Aufnahme von Sauerstoff in den Körper • Abgabe von Kohlendioxid aus dem Körper •
Der Weg der Atemluft in den Körper „Obere Atemwege“ Nasenhöhle Mundhöhle
Der Weg der Atemluft in den Körper Natürliche Atmung über die Nase! Die Atemluft wird in der Nase ü angefeuchtet ü gereinigt ü erwärmt
Der Weg der Atemluft in den Körper „Obere Atemwege“ Mundrachenraum (Atemund Speiseweg kreuzen hier!)
Der Weg der Atemluft in den Körper „untere Atemwege“ Kehlkopf mit Kehldeckel und Stimmbändern Luftröhre=„Trachea“ re. & li. Hauptbronchus Bronchien re. & li. Lunge (3 bzw. 2 Lungenflügel)
Gasaustausch in der Lunge Bronchiole (=kleinster Ast der Bronchien) Lungenbläschen = Alveole Kleinste Blutgefäße = Kapillaren
Wo wird der Sauerstoff wofür gebraucht? • Der Körper besteht aus Organen, Organe aus Geweben und Gewebe aus Millionen von mikroskopisch kleinen Zellen • Jede einzelne Zelle (z. B. Gehirnzelle, Muskelzelle, Nervenzelle usw. ) braucht wie ein Motor „Kraftstoff“ (O 2) zum Funktionieren und produziert Abgase (CO 2) • Der O 2 wird in der Lunge in die Blutgefäße aufgenommen und von dort zu jeder noch so kleinen Zelle transportiert (CO 2 verlässt den Körper auf dem gleichen Weg zurück)
Gasaustausch in der Lunge Aus den Alveolen wird Sauerstoff (O 2) in die Kapillaren abgegeben. Aus den Kapillaren wird Kohlendioxid (CO 2) als Abfallprodukt des Körperstoffwechsel in die Alveolen abgegeben.
„Totraum“ Atemwege, die nicht direkt am Gasaustausch teilnehmen Ca. 2 ml / kg. KG Körpergewicht) (kg Bei Erwachsenen ca. 150 ml
Die Lunge Gesunde Lunge Raucherlunge
Die Lunge: Technische Daten • Das Lungenvolumen eines Erwachsenen beträgt max. ca. 5000 ml • Ein normaler Atemzug bringt ca. 500 ml Atemluft in die Lunge • Es sind tiefere Atemzüge möglich (bis ca. 2500 ml) • Die Lunge ist niemals luftleer: ca. 1000 ml Liter Luft verbleiben selbst bei maximaler Ausatmung in der Lunge
Werte rund um die Atmung abhängig vom Alter, der Körpermasse, Ruhe bzw. Anstrengung (erhöht bei Anstrengung) Atemfrequenz/Min = AF Atemzugvolumen = AZV Erwachsener ca. 15 Erwachsener ca. 500 ml Jugendlicher ca. 20 Jugendlicher ca. 400 ml Kleinkind ca. 25 Kleinkind ca. 200 ml Säugling ca. 30 Säugling ca. 100 ml Neugeborenes ca. 40 ml Berechnung des Atem-Minutenvolumen = AMV AF x AZV = AMV (z. B. : 15 x 500 ml = 7500 ml)
Einatmen ist ein aktiver, muskelunterstüzter Vorgang: • Rippenhebung • Zwerchfellsenkung (Zusammenziehen) • äußere Zwischenrippenmuskeln ziehen sich zusammen Lunge dehnt sich aus – Unterdruck – Einsaugen von Atemluft
Ausatmen ist ein passiver Vorgang: • Die Einatemmuskeln erschlaffen, Lungenvolumen wird kleiner, Atemluft wird „ausgeblasen“ (Verstärkung jedoch durch Zusammenziehen der innernen Zwischenrippenmuskeln möglich)
Steuerung der Atmung: • vegetative (=unwillkürliche) Steuerung über das Atemzentrum im Gehirnstamm • bewusstes Steuern jedoch in Grenzen möglich (Luft anhalten, tief einatmen etc. ) • Regulierung der Atmung anhand des CO 2 -Gehalt im Blut (Anstieg dieses „Abgas“ bewirkt verstärkte Atemtätigkeit zwecks „Abatmung“)
Störungen der Atmung • Atemnot • ungenügende (=insuffiziente) Atmung • Atemstillstand Gefahren von Atemstörungen ? Sauerstoffmangel !
Ursachen für Atemstörungen Alle denkbaren Notfälle können zu Atemstörungen führen ! Beispiele: • Herz- oder Lungenerkrankungen • Allergien, Vergiftungen • Unfälle mit Schädigung des Brustkorb (=Thorax) ! • Erstickung. . .
Atemnot Unruhe / Angst Ringen nach Luft Aufrechte Körperhaltung atemabhängige Schmerzen Atemnebengeräusche Zyanose = Blaufärbung Flache Atmung Unregelmäßige Atmung
Maßnahmen bei Atemnot • BAP, BND, beruhigen • atemerleichternde Sitzhaltung • enge Kleidung öffnen • Fenster auf! • Sauerstoffgabe
Sauerstoffgabe (O 2 -Gabe) Jeder Notfallpatient bekommt O 2!! Dosierung: Nofall ohne Atemnot 4 l/min Nofall mit Atemnot 10 -15 l/min Asthma-Anfall Nur bei Zyanose unter intensiver Beobachtung 4 l/min
Sauerstoffgabe (O 2 -Gabe) • O 2 ist ein Medikament! • Medikamentengabe ist i. d. R. dem Arzt vorbehalten • O 2 hat im Notfall fast keine Nebenwirkungen, kann jedoch lebensrettend sein • Daher rechtfertigen Sanitäter die O 2 Gabe über den § 34 St. GB (Rechtfertigender Notstand)
Materialien für die O 2 -Gabe • Sauerstoffbehandlungsgerät mit O 2 -Flasche & Druckminderer mit regelbarer O 2 -Abgabe in Liter/Min. • O 2 - Sonde oder O 2 -Brille (nur bei mäßiger Atemnot wegen geringen O 2 -Durchlass ca. < 5 l/Min. ) • O 2 - Maske bei Atemnot (Durchlass bis 15 l/Min)
O 2 -Flaschen-Inhaltsberechnung • O 2 als Gas ist komprimierbar. • O 2 -Flaschen stehen unter hohem Druck (bis 200 bar) • Der O 2 ist in den Flaschen maximal komprimiert. Eine Flasche enthält daher ein vielfaches an Sauerstoff im Verhältnis zur Flaschengröße
O 2 -Flaschen-Inhaltsberechnung Flascheninhalt berechnen: Flaschengröße (Liter) x Druck (bar) = Inhalt O 2 (Liter) z. B. : 2 l x 200 bar = 400 l Verbliebene O 2 -Behandlungszeit berechnen: Flascheninhalt (Liter) : Flow (Liter/Min) = Restzeit (Min) z. B. : 400 l : 10 l/min = 40 min
Umgang mit O 2 -Flaschen • kein Fett / Öl am Druckminderer! (Feuer -/Explosionsgefahr) • Druckminderer / Absperrventil nur handfest ohne Werkzeug anziehen • Druck in der O 2 -Anlage nach Benutzung ablassen (entlüften) • Flaschen nie ganz entleeren (nicht < 10 bar) (teure Prüfung vor Wiederbefüllung nötig!)
Bestimmte Notfälle und deren spezielle Behandlung: • Verlegung der Atemwege • Asthma Bronchiale • Hyperventilation • Brustkorbverletzung
Verlegte obere Atemwege durch die Zunge bei Schutzreflexausfall • Kopf überstrecken • Guedel-Tubus einlegen Größenauswahl des Guedeltubus: Entsprechend Abstand Mundwinkel-Ohrläppchen des Patienten
Einlegen des Gueldeltubus
Spezielle Krankheitsbilder: Verlegung der Atemwege Ursache: • Fremdkörper verschluckt • Aspiration (=Anatmen von Fremdkörpern oder Mageninhalt in die Luftröhre) Erkennen: • Atemnot • „inverse Atmung“ (Atembewegung ohne Luftbewegung)
Spezielle Krankheitsbilder: Verlegung der Atemwege Maßnahmen: • entspr. Atemnot • Ansprechbar: Hustenreiz durch Schläge auf den Rücken auslösen • Nicht ansprechbar: Entfernungsversuch mit Fingern, Absaugung oder Magillzange (nur im Mundrachenraum)
Spezielle Krankheitsbilder: Akutes Asthma bronchiale Ursache: • Verengung, Verschleimung und Ödem (=Wasseransammlung) in den Bronchien Erkennen: • Atemnot, anfangs meist Ausatemproblem
Spezielle Krankheitsbilder: Akutes Asthma Bronchiale Maßnahmen: • entspr. Atemnot • „Lippenbremse“ versuchen (Pat. langsam durch geschlossene Lippen ausatmen lassen) • ggf. bei Med. -Einnahme unterstützen • bei Zyanose Sauerstoff max. 4 l/min (Atemregelung bei chronischen Asthmatikern oft durch O 2 statt CO 2 – Körper glaubt bei zuviel O 2 -Gabe, es sei genug O 2 im Körper und regelt die Atemtätigkeit herunter)
Spezielle Krankheitsbilder: Hyperventilation („Hyper“ = zu viel) Ursache: („Ventilation“ = Atmung) • psychische Ausnahmesituation, Schmerzen, Stress • oft junge Menschen (oft Mädchen/Frauen) Erkennen: • schnelle (vertiefte) Atmung • Kribbeln in den Händen / Körper • „Pfötchenstellung“ der Hände
Spezielle Krankheitsbilder: Hyperventilation Maßnahmen: • Beruhigen, ruhige Atmosphäre • zu ruhigem Atmen anleiten • Rückatemversuch mit Hyperventilationsmaske o. Plastiktüte (intensive Pat. -Beobachtung!) • O 2 -Gabe ist nicht nötig, da Ursache kein O 2 -Mangel
Brustkorbverletzung • Brustkorb = „Thorax“ • Rippenserienfrakturen (>3 gebrochene Rippen) können zu Instabilität des Thorax führen „paradoxe Atmung“ möglich
Brustkorbverletzung Maßnahmen: • entspr. Atemnot • Lagerung nach Wunsch, ggf. aufrecht bzw. auf verletzte Seite • Wunden steril bedecken
Ungenügende Atmung Erkennen: • zu flache Atmung • unregelmäßige Atmung mit Pausen • Zyanose • möglicherweise Bewusstlosigkeit
Maßnahmen bei ungenügender Atmung • Assistierte Beatmung mit dem Beatmungsbeutel, mögl. 10 -15 l O 2/min + Reservoir • alternativ: Taschenmaske oder „Mund zu Nase“ a) Zwischenbeatmungen bei zu langsamer/unregelmäßiger Atmung b) Unterstützung bei zu flachen Atemzügen
Wozu dient das O 2 -Reservoir am Beatmungsbeutel? hinten am Beatmungsbeutel aufgesteckt sammelt sich während der Be(Ein)atmung des Pat. O 2 im Reservoir. Beim Füllen des Beutels während der Ausatmung wird dann fast 100% O 2 haltige Beatmungsluft in den Beutel eingesaugt…
Erkennen eines Atemstillstand • keine Atmung • Zyanose • Bewusstlosigkeit Achtung: Direkt nach Eintritt eines Herzstillstand kommt es zu einer insuffizienten (=ungenügenden) „Schnappatmung“, die als eine Form von Atmung missverstanden werden könnte – tatsächlich besteht hier Reanimationsplicht.
Maßnahmen bei Atemstillstand • Kontrollierte Beatmung mit dem Beatmungsbeutel, mögl. 10 -15 l O 2/min + Reservoir • alternativ: Taschenmaske oder „Mund zu Nase“ Komplette Übernahme der Atemfunktion (Erwachsene Pat. : Frequenz ca. 15/min ; AZV: ca. 500 ml, entspr. ca. 1/2 Beatmungsbeutel)
Praktische Übungen ü Sauerstoffgerät ü Guedeltubus ü Absaugung des Mundrachen ü kontrollierte und assistierte Beatmung mit: o Beatmungsbeutel (+Reservoir) o Taschenmaske
Praktische Übungen Gruppe 1 Gruppe 2 Gruppe 3 • • O 2 -Geräte Absaugung des Mundrachen Guedeltubus Assistierte / kontrollierte Beatmung Erste-Hilfe-Maßnahmen: • BAP-Schema (Ansprechen…) • Decke unterlegen / Seitenlage • Druckverband • Helmabnahme Zeit: 20 Min / Gruppe