Wiener Walzer 29 11 2020 Geisterstdte Zum Gruseln




















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Wiener. Walzer 29. 11. 2020
Geisterstädte: Zum Gruseln schön • Geisterstädte muten oft wie im Film an. Manche sind noch nicht lange oder noch nicht einmal ganz verlassen, andere liegen schon seit vielen Jahren brach. Gruselig sind beide Szenarien.
Tyneham, England • Das beschauliche Dörfchen Tyneham, an Englands Südküste gelegen, wurde Ende des Jahres 1943 verlassen. Die Alliierten nutzten den Ort als Übungsplatz für die Landung in der Normandie. Auch nach Kriegsende durfte die Bevölkerung nicht in ihre Heimat zurückkehren. Heute kann man in Tyneham die Ruinen der Bauernhäuser, das Schulhaus sowie die noch intakte Dorfkirche besichtigen. An ihrer Tür hängt noch immer ein Schild der ehemaligen Bewohner mit der Bitte: "Save our church!" – "Erhaltet unsere Kirche!"
Doel, Belgien • Doel zieht als Geisterstadt Touristenmassen an. Dabei ist es noch nicht einmal ganz verlassen. Gelbe Schilder mit der Aufschrift "Doel = bewohntes Dorf" oder "Respektiert die Bewohner" erinnern daran, dass hier noch Menschen leben. Die Ortschaft ist übersät von Graffiti, doch noch leuchten die Straßenlaternen. Und es ist nicht das Atomkraftwerk, das die Einwohner vertreibt. 2020 muss die Ortschaft der Hafenvergrößerung um Antwerpen weichen. Auch eine der ältesten Windmühlen Flanderns wird wohl zu Gunsten der Hafenkräne verschwinden.
Kayaköy, Türkei • Eine gruselige Geschichte erzählen die alten Mauern der Stadt Kayaköy: Einst trug der Ort den Namen Levissi (griechisch: "Felsdorf") und war die Heimat für viele Griechen. Diese wurden in Erfüllung des Vertrages von Lausanne aus dem türkischen Staatsgebiet vertrieben. Das Dorf wurde umbenannt und sollte eine neue Heimat für ethnisch vertriebene Türken werden. Doch die hauptsächlich als Bauern arbeitende Bevölkerung zog ein landwirtschaftlich geeigneteres Gebiet der kargen Felsgegend vor. So blieb Kayaköy überwiegend unbewohnt. Heute ist es ein Museumsdorf und steht unter Denkmalschutz. Ein Schild am Ortseingang erzählt vom "Bevölkerungstausch".
Calico, USA • Eine der bekanntesten Geisterstädte überhaupt ist Calico in Südkalifornien, USA. Die Stadt liegt in der Mojave-Wüste und wurde 1881 im Zuge des Silberbergbaus gegründet. Als der Silberpreis sank und die Minen aufgegeben wurden, leerte sich auch die Stadt. Einige Gebäude aber stehen bis heute und warten zusammen mit Nachbauten auf Besucher. Leider ist vom Charme einer Geisterstadt durch die vielen Shops, Restaurant und Wild-West-Shows nicht viel erhalten geblieben.
Varosha, Zypern • Varosha war einst Zyperns beliebtestes Urlaubsparadies. Über 100 Hotels gehörten zu der in den 60 er-Jahren erbauten Ferienanlage, ein erster Schritt in Richtung Massentourismus. Hollywood-Diva Liz Taylor nahm bereits Sonnenbäder am Strand von Varosha, Sophia Loren besaß hier sogar eine Ferienvilla. Doch seit der türkischen Invasion 1974 gilt der Ort als militärisches Sperrgebiet. Noch heute findet man Zeugnisse von dem überstürzten Aufbruch. Immer wieder wird gefordert, das Gebiet wiederzubeleben. Zuletzt regte die UN 2015 Gespräche zwischen den griechischen und türkischen Zyprioten an. . .
Prypjat, Ukraine • Die Stadt Prypjat wurde zusammen mit dem Kernkraftwerk Tschernobyl gegründet. Die meisten Einwohner waren Mitarbeiter. Zum Zeitpunkt des Reaktorunglücks von 1986 lebten hier fast 50. 000 Menschen. Viele Jahre war die Stadt ein verbotener Ort, galt als absolutes Sperrgebiet. Prypjat liegt da wie eh und je, nur die Natur fordert ihren Raum zurück. Noch heute sieht man die Überreste eines Rummelplatzes inkl. Riesenrad, der kurz nach der Katastrophe öffnen hätte sollen.
Hashima, Japan • Hashima in Japan war einer der am dichtesten besiedelten Orte der Welt. Auf der kleinen Insel lebten die Arbeiter der Kohleschächte unter dem Meer. Nach Stilllegung der Werke 1974 verließen die Bewohner die Stadt fluchtartig, viele persönliche Gegenstände blieben zurück. Heute ist Hashima nur noch eine Phantominsel.
Craco, Italien • Nach einem Erdrutsch im Jahr 1963 verließen viele Einwohner die Stadt Craco in Italien. Sie zogen ins Tal, in die neu gegründete Stadt Craco Peschiera. Das antike in Stein gehauene Craco liegt heute brach und diente bereits mehrfach als Kulisse für Kinofilme wie "Die Passion Christi" (2004).
Immerath, Deutschland • Die nordrhein-westfälische Gemeinde Immerath ist gerade auf dem besten Weg zu einer Geisterstadt: Die Bewohner werden seit 2006 umgesiedelt. Der Grund: Die Ortschaft liegt im geplanten Braunkohletagebau Garzweiler, in dem Gebiet soll ab 2017 die Braunkohleförderung beginnen.




















