Regine Gildemeister Doing Gender Soziale Praktiken der Geschlechterunterscheidung

















- Slides: 17
Regine Gildemeister, Doing Gender: Soziale Praktiken der Geschlechterunterscheidung, in: Becker, Ruth / Kortendieck, Beate (Hrsg. ), Handbuch-Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie, Wiesbaden ³ 2010, S. 137 -145.
Zentrale Definitionen • doing gender: Herstellung der Geschlechtsidentität • Geschlechtsidentität ist keine Eigenschaft von Menschen, sondern wird in Interaktionen und sozialen Prozessen hervorgebracht • Keine abgeschlossene und einmalige Handlung, sondern fortlaufende Prozesse und Wiederholungen • „Geschlecht“ ist eine Kategorie, die Welt ordnet und hilft, Menschen „einzuordnen“
Untersuchungen zur Transsexualität und ihre theoriestrategische Bedeutung • Das Konzept des „doing gender“ entstand im Rahmen der Erforschung der Transsexualität • Transsexualität stellt das Konzept der Zweigeschlechtlichkeit in Frage • Darstellung der Geschlechtszugehörigkeit durch äußere Merkmale wie Kleidung, Gesten, Frisuren • Gelingt die Darstellung im System der Zweigeschlechtlichkeit nicht, folgen Irritationen bis hin zu sozialer Ausgrenzung
Forschungsfelder und empirische Untersuchungen • Wahrnehmung und Unterscheidung von Männern und Frauen geschieht automatisch und unbewusst in jeder sozialen Situation • Herausforderung bei empirischer Forschung zur Kategorie „doing gender“: Reflektion der eigenen und unbewussten Einteilung der Menschen in zwei Geschlechter • Forschungsfelder: Paare, Schule, Arbeitsteilung • Bedeutung der Kategorie „Geschlecht“ wechselt in verschiedenen Kontexten
Ausblick auf Forschungsfragen • Kann das Denken in der Zweigeschlechtlichkeit verlassen werden? • Die Kategorie „gender“ steht im Zusammenhang mit anderen Kategorien wie beispielsweise der sozialen Herkunft • Ist neben dem „doing gender“ auch ein „undoing gender“ denkbar?
Gisela Matthiae, Von der Emanzipation über die Dekonstruktion zur Restauration und zurück. Genderdiskurse und Geschlechterverhältnisse, in: Pithan, Annebelle / Arzt, Silvia / Jakobs, Monika / Knauth, Thorsten (Hrsg. ), Gender – Religion – Bildung. Beiträge zu einer Religionspädagogik der Vielfalt, Gütersloh 2009, S. 35 -46.
2. Re-Konstruktion von Geschlecht doing gender undoing gender • Untersuchung der Geschlechterverhältnisse, in denen Frauen und Männer ihr Leben gestalten • Ordnung der Zweigeschlechtlichkeit auf drei Ebenen: individuelle Ebene, gesellschaftliche und strukturelle Ebene sowie die Repräsentationsebene • „Gender wird individuell, interaktional und institutionell alltäglich hergestellt bzw. konstruiert“ (S. 35) • undoing gender: Verschiebung oder Unterbrechung der Darstellung der Geschlechtsidentität
3. Dekonstruktion sex >> gender • Italienischer Differenzfeminismus: Frauen bauen Beziehungen untereinander auf, um sich gegenseitig zu stärken und zu fördern Ziel: weibliche Repräsentanz gender (trouble) • Judith Butler möchte das Differenzdenken überwinden • Diskurse sind Ausdruck von gesellschaftlichen Machtverhältnissen
3. Dekonstruktion • Die Geschlechtsidentität wird durch Sprache hergestellt • Beide Kategorien, „sex“ und „gender“, sind Produkte der Kultur • Dekonstruktion eröffnet neue Möglichkeiten für die Darstellung und Bildung von Geschlechtsidentitäten sowie die Verschiebung von Geschlechterhierarchien • Der menschliche Körper existiert, ist aber keine Grundlage für die Bildung von Identität
3. Dekonstruktion transgender • Vielfalt der Geschlechtsidentitäten jenseits der Zweigeschlechtlichkeit • Ausgangspunkt sind uneindeutige biologische Geschlechtsmerkmale • Ziel ist die Organisation einer zweigeschlechtlichen Identitätsbildung
4. Restauration • In der Genderforschung steht fest, dass die Kategorien „sex“ und „gender“ Ergebnis der Kultur sind • Die Inszenierung des Körpers ist Bestandteil der eigenen Identität, dabei wird auch auf Geschlechterstereotype zurückgegriffen • Auch in den Medien wird von Differenzen zwischen den Geschlechtern gesprochen
5. Zukunft de-gender? • Frage nach dem Verhältnis von „sex“ und „gender“ Diskutiert werden eine neue Biologisierung, die Überwindung der Zweigeschlechtlichkeit sowie die Geschlechtervielfalt • Die Geschlechtsidentität darf kein Kriterium für Ausgrenzung oder Diskriminierung sein
Theorie Erfahrung Didaktik
Erfahrung, Theorie und Didaktik wirken aufeinander ein! Erfahrung: • persönliche Erfahrungen (z. B. Bestätigung, Einschränkungen, Verbote) während der Sozialisation zur Frau bzw. zum Mann können zu Empfindlichkeiten und Ablehnung der Genderthematik führen Theorie: • Theorien bilden Hintergrund für die Konzeption der Didaktik • die Auswahl der Theorie(n) hängt von der Thematik ab
Didaktik: • Standpunkte klären • Doing-Gender-Prozesse finden durch Erwartungen, Wahrnehmungsprozesse und Interaktionen statt • Doing-Gender-Prozesse finden deutlich häufiger als Undoing-Gender-Prozesse statt • Konstruktivistische Perspektive hilft, Doing. Gender-Prozesse wahrzunehmen • Genderspezifische Sozialisation beachten • Wahrnehmung und Anerkennung der Lebenswirklichkeiten
Arbeit in Kleingruppen anhand eines Arbeitsblattes
Beispiele (Vorschläge) Welche Probleme / Phänomene lassen sich mit welchen Ansätzen lösen? • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? – Gilt immer noch nicht (Paygap). • Eva Herman spricht von „neuer Weiblichkeit“ und meint damit: Frauen als Mütter (wieder) hinter den Herd. • Führende Vertreter der Wirtschaft halten die Frauenquote für eine Gefährdung der Wirtschaft. • Frauen dürfen Röcke tragen. Männer auch? • Für Frauen gibt es Werbung für Kosmetik, den Männern wird Werbung für Autos präsentiert. • Austausch in gleichgeschlechtlichen Gruppen? Jeder Menschen hat männliche und weibliche Eigenschaften!

















