Von den Arbeitern im Weinberg Mt 20 1
Von den Arbeitern im Weinberg Mt. 20, 1 -16
42. 43. 44. 45. ὁ δὲ ἀποκριθεὶς ἑνὶ αὐτῶν εἶπεν· ἑταῖρε, οὐκ ἀδικῶ σε· οὐχὶ δηναρίου συνεφώνησάς μοι; 46. 47. 48. ὖρον τὸ σὸν καὶ ὕπαγε. θέλω δὲ τούτῳ τῷ ἐσχάτῳ δοῦναι ὡς καὶ σοί· [ἢ] οὐκ ἔξεστίν μοι ὃ θέλω ποιῆσαι ἐν τοῖς ἐμοῖς; ἢ ὁ ὀφθαλμός σου πονηρός ἐστιν ὅτι ἐγὼ ἀγαθός εἰμι; οὕτως ἔσονται οἱ ἔσχατοι πρῶτοι καὶ οἱ πρῶτοι ἔσχατοι. 49. 50. 51. 52. 53. 54. 55. 56. Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich tue dir nicht Unrecht. Bist du nicht mir gleich geworden um einen Groschen? Nimm, was dein ist und geh! Ich will aber diesem letzten geben gleich wie dir. Habe ich nicht Macht, was ich will, (2) zu tun, (1) mit dem Meinen? (3) Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin? So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Das Gleichnis wurde nach der Methode Eggers in kleinstmögliche inhaltliche Segmente eingeteilt, die auch Sinnzeilen genannt werden (vgl. Egger, Wilhelm: Methodenlehre zum Neuen Testament. Einführung in linguistische und historisch -kritische Methoden, Freiburg 1999. , S. 56 – 59).
Gliederung 1. Zusammenfassung des Gleichnisses 2. Die Analyse nach Egger 2. 1. Syntaktische Analyse 2. 2. Semantische Analyse 2. 3. Narrative Analyse 3. Einbettung des Gleichnisses 4. Historischer Kontext 5. Konflikt 6. Auslegung und Aussageabsichten 7. Diskussion
1. Zusammenfassung des Gleichnisses
Ein Hausherr braucht Arbeiter für seinen Weinberg. Er geht los und stellt einige Arbeiter ein. Als Lohn erhalten sie einen Tageslohn von einem Denar. Im Verlauf des Tages stellt er weitere Arbeiter ein, diese erhalten am Abend denselben Lohn, wie die anderen. Die zuerst eingestellten Arbeiter beschweren sich über die gleiche Bezahlung. Ihre Kritik wird aber vom Hausherrn bzw. Verwalter zurückgewiesen.
2. Die Analyse nach Egger 2. 1. Syntaktische Analyse 2. 2. Semantische Analyse 2. 3. Narrative Analyse
2. 1. Syntaktische Analyse
Syntaktische Analyse, Teil 3 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 52. 53. 54. λέγοντες· οὗτοι οἱ ἔσχατοι μίαν ὥραν ἐποίησαν, καὶ ἴσους ἡμῖν αὐτοὺς ἐποίησας τοῖς βαστάσασι τὸ βάρος τῆς ἡμέρας καὶ τὸν καύσωνα. ὁ δὲ ἀποκριθεὶς ἑνὶ αὐτῶν εἶπεν· ἑταῖρε, οὐκ ἀδικῶ σε οὐχὶ δηναρίου συνεφώνησάς μοι; ὖρον τὸ σὸν καὶ ὕπαγε. θέλω δὲ τούτῳ τῷ ἐσχάτῳ δοῦναι ὡς καὶ σοί· [ἢ] οὐκ ἔξεστίν μοι ὃ θέλω ποιῆσαι ἐν τοῖς ἐμοῖς; ἢ ὁ ὀφθαλμός σου πονηρός ἐστιν ὅτι ἐγὼ ἀγαθός εἰμι; und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich tue dir nicht Unrecht. Bist du nicht mir gleich geworden um einen Groschen? Nimm, was dein ist und geh! Ich will aber diesem letzten geben gleich wie dir. Habe ich nicht Macht, was ich will, (2) zu tun, (1) mit dem Meinen? (3) Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin?
Verben Auffällig ist die große Anzahl (53 Stück) der Verben in diesem Gleichnis Den Großteil bilden Verben im Indikativ (29), danach Partizipien (15), darauf folgend Imperative (6) und zuletzt die Infinitive (3) Nur wenige Verben sind medio-passiv
Syntaktische Analyse, Teil 6 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 52. 53. 54. λέγοντες· οὗτοι οἱ ἔσχατοι μίαν ὥραν ἐποίησαν, καὶ ἴσους ἡμῖν αὐτοὺς ἐποίησας τοῖς βαστάσασι τὸ βάρος τῆς ἡμέρας καὶ τὸν καύσωνα. ὁ δὲ ἀποκριθεὶς ἑνὶ αὐτῶν εἶπεν· ἑταῖρε, οὐκ ἀδικῶ σε οὐχὶ δηναρίου συνεφώνησάς μοι; ὖρον τὸ σὸν καὶ ὕπαγε. θέλω δὲ τούτῳ τῷ ἐσχάτῳ δοῦναι ὡς καὶ σοί· [ἢ] οὐκ ἔξεστίν μοι ὃ θέλω ποιῆσαι ἐν τοῖς ἐμοῖς; ἢ ὁ ὀφθαλμός σου πονηρός ἐστιν ὅτι ἐγὼ ἀγαθός εἰμι; und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich tue dir nicht Unrecht. Bist du nicht mir gleich geworden um einen Groschen? Nimm, was dein ist und geh! Ich will aber diesem letzten geben gleich wie dir. Habe ich nicht Macht, was ich will, (2) zu tun, (1) mit dem Meinen? (3) Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin?
Subjekte 13 Subjekte finden sich in dem Gleichnis 6 davon sind eindeutig die Arbeiter, und zwar 1 x die zur 3. Stunde kommen, 2 x die zur 1. Stunde kommen, 3 x die zur 11. Stunde kommen 1 x „das Auge“ eines der 1. Arbeiter Der Hausherr ist 5 x Subjekt („das Himmelreich“ und „der Antwortende“ miteinbezogen) 1 x ist „Niemand“ Subjekt Es werden folglich die Arbeiter am häufigsten als Subjekt erwähnt. Nimmt man das Auge eines der ersten Arbeiter hinzu, sind die ersten und letzten Arbeiter gleich oft, nämlich jeweils 3 mal Subjekt. Gott, als der Hausherr ist dagegen 5 mal Subjekt. Das Gleichnis scheint sich also vor allem um die Arbeiter zu drehen.
Subjekte Warum wird „das Auge“ (SZ. 53) nicht wörtlich übersetzt? Es hieße dann: „…oder warum ist (schaut) dein Auge untauglich / böse / schlecht…? “ So übersetzt würde der Arbeiter etwas besser dastehen, weil er mit nur einem gesunden Auge nicht die volle (Ein -) Sicht hat. Er kann die Situation also nicht anders verstehen, da er nicht vollkommen ist.
Syntaktische Analyse, Teil 11 Adjektive Dem Herrn zugeordnet: gleich / ähnlich früh / zugleich gerecht ebenso / auf dieselbe Art und Weise gleich / ähnlich gleichsam / wie gut / gütig Den Arbeitern zugeordnet: müßig hier / vergeblich / so müßig böse / übel / untüchtig (wobei dieses Adjektiv direkt auf „das Auge“ des Arbeiters, also nur indirekt auf ihn selbst bezogen ist)
Syntaktische Analyse, Teil 7 Adjektive Auffällig ist bei der Verteilung der Adjektive, dass den Arbeitern eher negative Adjektive zukommen, die Passivität und Unfähigkeit ausdrücken. dass dem Hausherr hingegen eher positive Adjektive, zukommen, die sowohl Aktivität (ἅμα πρωῒ = früh am morgen), am morgen als auch gerechtes und wiederholtes Handeln, wie auch Güte ausdrücken. Die Adjektive „Ὁμοία ἐστιν“ und „ἀγαθός εἰμι“ in Verbindung mit der Kopula stehen ganz zu Anfang und ganz zum Schluss des Gleichnisses, also quasi als erste und letzte Aussage über Gott.
Zentrum des Gleichnisses 27. κάλεσον τοὺς ἐργάτας Rufe die Arbeiter 28. καὶ ἀπόδος αὐτοῖς τὸν μισθὸν und gib ihnen den Lohn 29. ἀρξάμενος ἀπὸ τῶν ἐσχάτων ἕως und heb an bei den letzten bis zu den τῶν πρώτων. ersten. καὶ ἐλθόντες οἱ περὶ τὴν ἑνδεκάτην ὥραν Da kamen, die um die elfte Stunde 30. gedingt waren, Die Sinnzeilen 26 -30 kann man als Zentrum des Gleichnisses ansehen, da sich in diesem Teil das zentrale Verb „gib“ befindet, welches im Imperativ steht. Zentrales Subjekt sind die Arbeiter, die zur 11. Stunde eingestellt wurden. Da „rufe“, obwohl es nicht direkt zentral in der Gesamtheit der Verben liegt, außerdem zentraler Imperativ ist und durch das „καὶ“ mit dem anderen Imperativ verbunden ist, könnte man das Zentrum um eine Sinnzeile weiter vor verschieben.
Zentrum des Gleichnisses Wie kann man das formale Zentrum deuten? Es könnte auf Jesus, den „Verwalter“ des Hausherrn (Gottes) und seine wichtigsten Handlungen hinweisen. Diese Handlungen sind das Rufen und das Geben, wobei ersteres die Voraussetzung für das Geben darstellen könnte. Dabei steht aber nicht er im Mittelpunkt, sondern diejenigen, denen diese Handlungen zukommen sollen. Die Arbeiter. Zuerst die Letzten, dann die Ersten. Fazit: Es geht um die Gott – Mensch – Beziehung, wobei Gott, durch Jesus, der Aktive ist.
2. 2. Semantische Analyse
Wortfamilien Kommunikation: sagen, rufen, antworten, murren, einig werden, einstellen/dingen Bewegung: kommen, senden, arbeiten, (hin)gehen, finden, tun, tragen Geben&Nehmen: geben, empfangen, haben, Besitz-(wechsel) einstellen Wahrnehmung: sehen, finden
2. 3. Narrative Analyse
Narrative Analyse Aufforderung Versprechen Frage Begründung Aufforderung Beschwerde Behauptung Rhetorische Frage Befehl Rhetorische Frage Polemische Frage SZ: 11 12 20 22 24 26 -29 39 -41 44 -54 Hier eine Abfolge der Redehandlung. Die rot markierten Stellen zeigen die Redeanteile des Hausherren, während die grün markierten Stellen die Redeanteile der Arbeiter darstellen. Es ist auffällig, dass der Hausherr deutlich mehr Redeanteile hat. Der größte Redeanteil der Arbeiter ist die Beschwerde gegen die Bezahlungsweise des Hausherrn.
3. Einbettung des Gleichnisses
Einbettung des Gleichnisses, Teil 1 Das Gleichnis (Mt. 20, 1 -16) gehört zum Sondergut des Matthäusevangeliums Vorausliegender Kontext: Problem der Nachfolge (Mt. 19, 16 -30) Anschließender Kontext: dritte Leidensankündigung (Mt. 20, 17 -19) & Zebedaidenepisode (Mt. 20, 20 -28)
Einbettung des Gleichnisses, Teil 2 Matthäus findet das Logion in der markinischen Vorlage vor (Mk. 10, 31). „Viele aber werden die Letzten sein, die Ersten sind, und die Ersten sein, die Letzten sind. “ Er übernimmt es in 19, 30 unverändert und rekapituliert es am Schluss des Gleichnisses (20, 16) mit einer Umkehrung der Satzglieder und unter Auslassung von πολοί (viele) „So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzte sein. “ Durch die wiederholte Schlussstellung erreicht der Evangelist eine Parallelisierung von 19, 2730 und 20, 1 -16.
Einbettung des Gleichnisses, Teil 3 Mt. 20, 16 erster Abschnitt: Trost „So werden die Letzten die Ersten“ Mt. 20, 16 zweiter Abschnitt: Drohung „und die Ersten die Letzten sein“ Es findet in Mt. 20, 16 ein Wechsel des Tones, durch die Umstellung der Satzglieder in Mt. 20, 16 im Gegensatz zu Mt. 19, 30 statt Mt. 19, 30: Viele Letzte werden Erste vs. Mt. 20, 16: rigoros, Ersten werden die Letzten
4. Historischer Kontext
Historischer Kontext, Teil 1 Zur damaligen Zeit war üblich: Weinbergbesitzer mietet auf dem Markt Tagelöhner und die Arbeitssuchenden warten auf dem Markt auf Aufträge Weinbergbesitzer begibt sich selbst auf die Suche nach Arbeitern Schrittweise erfolgende Vergabe von Arbeit Der Bedarf an Tagelöhnern wurde oft erst kalkuliert, wenn bestimmte Stadien des Erntevorgangs überschaubar wurden
Historischer Kontext, Teil 2 Die Bezahlung der Tagelöhner am selbigen Abend ist in der Tora verordnet Frühes Ausgehen des Hausherrn um Tagelöhner zu finden und einzustellen ist durchaus üblich Arbeitszeit dauerte vom Aufgehen der Sonne bis zum Aufgehen der Sterne, Tag und Nacht teilte man je in zwölf Stunden Anstellung von Arbeitern für einen Tag Lohn soll der Arbeit entsprechen Lohn von einem Denar ist der ortsübliche Tageslohn
Historischer Kontext, Teil 3 Zur damaligen Zeit war unüblich: Die Auszahlung bei den zuletzt gekommenen Arbeitern zu beginnen Die Auszahlung von mehr Lohn als notwendig Die Lohnhöhe eines Denars für die Kurzarbeit Weinbergbesitzer verschenkt sein Eigentum (Praxis)
Historischer Kontext, Teil 4 Fazit: Die überwiegenden Vorgänge, die in diesem Gleichnis geschildert werden entsprechen den Gegebenheiten der damaligen Zeit Einige wenige Vorgänge entsprechen nicht der damaligen Zeit, sie stechen besonders hervor und sind für das Gleichnis von enormer Bedeutung
5. Konflikt
Konflikt, Teil 1 Klarer Aufbau des Gleichnisses: dreiteilige Szenenfolge: v. 1 b-7 Anwerbung und Einstellung der Arbeiter (Situation) v. 8 -10 Auszahlung (Krise) v. 11 -15 Schlussdialog (Lösung) An dieser Stelle wird der Versuch unternommen, das Gleichnis als dramatische Textform zu bewerten.
Konflikt, Teil 2 Figuren: Gutsherr, Verwalter und fünf Gruppen von Tagelöhnern Konflikt: Gutsherr und die ersten und letzten Arbeiter „dramatisches Dreieck“: Gutsherr Beschenkte (un)gerecht bezahlte Letzte Erste
Konflikt, Teil 3 Ganztagsarbeiter: dramatische Hauptfiguren Gutsherr: Herrscher der Handlung Szenenfolge konzentriert sich auf das Geschick der empörten Ersten Die Beschenkten haben eine passive Rolle, in der Art ihrer Entlohnung entzündet sich der Konflikt zwischen dem Gutsherrn und den anderen Arbeitern Zentrum der Argumentation: „doch du hast sie uns gleichgestellt“ (v. 12)
Konflikt, Teil 4 Kontrasthintergrund ist die Vormeinung, dass die Arbeiter geglaubt haben, dass sie mehr empfangen (v. 10) Ausgangspunkt für die Anfechtung ist nicht bloßer Neid oder Egoismus, sondern das Beharren auf dem Prinzip, dass auf Leistung und Lohn basiert Konflikt ist nicht das allgemeine großzügige Verhalten des Gutsherrn, sondern die Folgenlosigkeit dieses Verhaltens für die anderen Funktion: Hörer soll durch die hochgespielte Gleichbehandlung von den Ersten und Letzten irritiert werden
6. Auslegung und Aussageabsichten
Auslegung und Aussageabsichten, Teil 1 Lohnabmachung: zuerst Eingestellte: exakte Angabe, ein Denar für den Tag zweite Gruppe: Gesichtspunkt der Billigkeit Schlusseinstellung: keine Erwähnung der Lohnabmachung Erzählerisch genaue Kalkulation: Hörer erwartet eine Berücksichtigung einer unterschiedlichen Arbeitsleistung am Ende
Auslegung und Aussageabsichten, Teil 2 Zeitschema: Einstellung der Arbeiter im Dreistundentakt Funktion: soll auf die Differenz der Anzahl der geleisteten Stunden aufmerksam machen Dreierrhythmus wird zum Schluss durchbrochen (3, 6, 9 und 11) Funktion: Interesse auf die zuletzt Eingestellten richten markante Hervorhebung der verbleibenden Arbeitszeit von einer Stunde
Auslegung und Aussageabsichten, Teil 3 Nur die zuerst und zuletzt Eingestellten sind noch präsent, die übrigen Arbeitergruppen werden übergangen Funktion: Interesse an der Konfrontation der Ersten und Letzten
Auslegung und Aussageabsichten, Teil 4 Anweisung des Gutsherrn an den Verwalten (v. 8 b) Verwalter erhält ausdrücklichen Befehl, die Lohnzahlung bei den Kurzarbeitern zu beginnen Die erwartende Reihenfolge wird umgedreht Funktion: bevorzugte Abfertigung der Letzten ist notwendig um die Unzufriedenheit der zuerst Eingestellten zu erwecken dramatischer Konflikt zwischen den unzufriedenen Arbeitern und dem Besitzer wird geschürt
Auslegung und Aussageabsichten, Teil 5 Struktur des Schlusswortes (v. 11 -15) hat eine besondere Bedeutung Verteidigung des Gutsherrn (v. 13 -15) ist interessant Beschwerde: von allen Betroffenen Gegenrede: bezieht sich nur auf eine Person von den Empörten Kann man die Antwort des Hausherrn zunächst als vollzogenes Gericht, Entlassung oder als eine Drohung des Gerichtes auch in Hinblick auf v. 15 b betrachten?
Auslegung und Aussageabsichten, Teil 6 Schlusswort des Herrn: keine Erwähnung von der Abweisung des Protestes v. 15 b wirbt in Form einer Frage um Einverständnis zum Gehen genötigten Adressaten Möglichkeit wird eingeräumt Beziehung zu verändern, von Distanz zu Nähe
Auslegung und Aussageabsichten, Teil 7 Wer steht als Agierender hinter dem Gleichnis und an wen richtet sich das Gleichnis? Gleichnis von Jesu an die Jünger: Im Kontext des Matthäusevangeliums handelt es sich um ein Jüngergleichnis (Mt. 19, 16 -30) Diejenigen, die bereits im Gottesreich sind, die ersten sind, stehen in der Gefahr nach Matthäus die Letzten zu werden, wenn sie sich so wie die Ganztagsarbeiter benehmen und die Güte Gottes nicht erkennen Das Gleichnis zielt prinzipiell aber auf jeden Menschen ab (Höreridentifikation)
Auslegung und Aussageabsichten, Teil 8 Gleichnis erinnert an Verhalten Jesu mit den Zöllnern und Sündern: Die Figur des Hausherrn kann man aufgrund der Einbettung in das Gleichnis mit Jesus in Verbindung bringen Jesus hält mit den Zöllnern und Sündern Tischgemeinschaft, als Zeichen ihrer Berufung zum Gottesreich Vorwurf der Gegner Jesu (Pharisäer und Schriftgelehrte), dass die Zöllner und Sünder nicht für das Gottesreich taugen, man warf Jesus Ungerechtigkeit und Toraverletzung vor Jesus setzt sich mit diesem Gleichnis dagegen zur Wehr, Motiv: „Güte verletzt Gerechtigkeit nicht. “ göttliche Dimension, Jesus sagt quasi: „Gott handelt so, und ich handle auch so“
Auslegung und Aussageabsichten, Teil 9 Aussageabsicht von Jesus: Man kann die Gnade der Berufung wieder verlieren und vom Weinberg hinausgeworfen werden, wenn man die Maßstäbe Gottes gegenüber den zuletzt Gekommenen nicht teilt „Der Erste kann der Letzte werden, wenn er Gottes Handeln nicht teilt. “
Auslegung und Aussageabsichten, Teil 10 Göttliche Dimension: Figur des Besitzers mit seinen ungewöhnlichen Zügen wird so betont, dass das Gleichnis auf eine göttliche Dimension abzielt, die unseren Alltag kreuzt Gott ist wie ein Hirte auf der Suche nach seinem verlorenen Schaf Jesus möchte mit dem Gleichnis sagen, dass Gott immer auf der Suche ist, bis zur letzten Stunde So lange die Zeit zur Verfügung steht, kann man immer von Gott berufen werden, auch in der letzten Minute
Auslegung und Aussageabsichten, Teil 11 Gott sucht und rettet den Menschen vor der Selbstentfremdung und dem Verlorensein durch die Berufung in sein Reich, die Berufung und die Rettung ist für alle gleich Es kommt nicht auf die Länge der Arbeit an, sondern darauf, dass der Mensch angeworben wurde und auf den Ruf Gottes hört Protest der Ganztagsarbeiter zeigt, dass sie vergessen haben, dass der Hausherr zu Ihnen genauso gut gewesen ist
Auslegung und Aussageabsichten, Teil 12 Gott behandelt nicht einige Menschen mit Güte und andere auf der Basis des Verdienstes, er behandelt alle auf der Basis der Gnade Leistungsprinzip wird zurückgewiesen (v. 20, 11), es geht um die Beseitigung des Mangels Marktplatz Ort der Arbeitslosigkeit und der Selbstentfremdung vs. Weinberg Symbol der Selbstfindung und der Selbsterfüllung des Arbeiters
Quellenangaben Aurelio, Tullio: Disclosures in den Gleichnissen Jesu. Eine Anwendung der disclosure - Theorie von I. T. Ramsey, der modernen Metaphorik und der Theorie der Sprechakte auf die Gleichnisse Jesu. Frankfurt a. M. 1977. Egger, Wilhelm: Methodenlehre zum Neuen Testament. Einführung in linguistische und historisch-kritische Methoden, Freiburg 1999. Harnisch, Wolfgang: Die Gleichniserzählungen Jesu. Eine hermeneutische Einführung. 4. Auflage. Göttingen 2001. Madsen, Iver K. : Die Parabeln der Evangelien und die heutige Psychologie. Leipzig 1936. Michaelis, D. Wilhelm: Die Gleichnisse Jesu. Eine Einführung. 3. Auflage. Hamburg 1956. Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie, heruntergeladen am 16. 06. 2008, www. uni-essen. de/Ev-Theologie/courses/co urse-stuff/lit-schottroff- guetegottes.
Ruhr Universität Bochum Neues Testament Seminar: Gleichnisse, So. Se 2008 Dozent: Prof. Dr. Peter Wick Referentinnen: Britta Grundhöfer, Elke Miller, Sarah Justus, Tatjana Arendtgold, Frederike Schräder
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