Grundlagen der Elektrochemie Wiederholung 1 Elektrochemische Thermodynamik Was

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Grundlagen der Elektrochemie Wiederholung 1. Elektrochemische Thermodynamik: Was ist erlaubt? 2. Elektrochemische Doppelschicht: Der

Grundlagen der Elektrochemie Wiederholung 1. Elektrochemische Thermodynamik: Was ist erlaubt? 2. Elektrochemische Doppelschicht: Der Ort des Geschehens! Später, im Laufe der Vorlesung: 3. Elektrochemische Kinetik: Ist der Prozess schnell oder gehemmt? 4. Transportprozesse: Wie kommen die Ionen zur Grenzfläche? FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 1

Elektrochemische Doppelschicht Zustandekommen einer elektrisch geladenen Schicht: Beispiel: metallisches Kupfer tauche in eine Kupfersalzlösung

Elektrochemische Doppelschicht Zustandekommen einer elektrisch geladenen Schicht: Beispiel: metallisches Kupfer tauche in eine Kupfersalzlösung ein: Cu 2+ + 2 e- Cu Je nach der Gleichgewichtslage wird nun entweder die Hin- oder die Rückreaktion bevorzugt ablaufen, wodurch im Metall ein Elektronenüberschuß oder – unterschuß entsteht. Oberflächenladungen im Metall, welche entgegengesetzt geladene Ionen in der Lösung anziehen! FU Berlin elektrische Doppelschicht aus zwei parallelen Ladungsschichten (H. v. Helmholtz 1821 -1894, 1853, 1879). Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 2

Plattenkondensator-Modell n n starre Doppelschicht von solvatisierten Ionen und Elektronen auf der Metallseite „Plattenabstand“:

Plattenkondensator-Modell n n starre Doppelschicht von solvatisierten Ionen und Elektronen auf der Metallseite „Plattenabstand“: einige Moleküldurchmesser n Metall äußere HH-Schicht FU Berlin Ladungsfreier Raum zwischen den Schichten: Linearer Potentialabfall konstante Kapazität! Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 3

Helmholtz FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 4

Helmholtz FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 4

Konsequenzen I „Plattenkondensator“ mit kleinstmöglichem Plattenabstand! n n Extrem hohe Feldstärke: = 500 m.

Konsequenzen I „Plattenkondensator“ mit kleinstmöglichem Plattenabstand! n n Extrem hohe Feldstärke: = 500 m. V, d = 0. 5 nm Feldstärke E = 109 V/m ! Zum Vergleich: Durchschlagsfeldstärke: Luft: 106, Quarz: 108 V/m Diese enormen Feldstärken sind notwendig (und hinreichend), um chemische Bindungen brechen bzw. neu formen zu können! Elektrochemische Reaktionen können nur in der Helmholtzschicht stattfinden! EC ist Surface Science! FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 5

Konsequenzen II „Plattenkondensator“ mit kleinstmöglichem Plattenabstand! n n n Riesige Kapazität: Kapazität pro Fläche

Konsequenzen II „Plattenkondensator“ mit kleinstmöglichem Plattenabstand! n n n Riesige Kapazität: Kapazität pro Fläche beim Plattenkondensator: Wasser: r = 78, 5 C = 350 F/cm 2 in Wirklichkeit kleiner, ca. 10 -50 F/cm 2, da r in der starren Doppelschicht kleiner ist Anwendung für Kondensatoren! FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 6

Doppelschichtkondensatoren (Superkondensatoren) Kapazität: 10 -40 F/cm 2 n Prinzip: poröse Kohlenstoffelektroden mit einer sehr

Doppelschichtkondensatoren (Superkondensatoren) Kapazität: 10 -40 F/cm 2 n Prinzip: poröse Kohlenstoffelektroden mit einer sehr großen inneren Oberfläche! (Aktivkohle, Aerogele) n Kapazitäten bis zu 100 F / g ! n Seit 1971 (1957 Patent) FU Berlin n Energiedichte: 4 – 60 Wh / kg Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 7

Gouy-Chapman-Modell Kritik des Helmholtz-Modells: die Kapazität hängt vom Potential ab! n n n Grundidee

Gouy-Chapman-Modell Kritik des Helmholtz-Modells: die Kapazität hängt vom Potential ab! n n n Grundidee von Gouy und Chapman: zwei gegenläufig Prozesse Das elektrostatische Feld der Elektrode zieht entgegengesetzt geladene Ionen an Die Molekularbewegung zerstört immer wieder jede Ordnung FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 8

Gouy-Chapman II n n Analogie? n Vergleichbar mit der barometrischen Höhenformel? Allerdings: n n

Gouy-Chapman II n n Analogie? n Vergleichbar mit der barometrischen Höhenformel? Allerdings: n n Das Gravitationspotential ist annähernd linear und unabhängig von der Luftdichte Das elektrische Potential hängt von der Ladungsdichte selbst ab: Wohl doch komplizierter!? und FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 9

Gouy-Chapman III n Trotz aller Kompliziertheit: näherungsweise ist die Lösung der Gleichungen rein exponentiell:

Gouy-Chapman III n Trotz aller Kompliziertheit: näherungsweise ist die Lösung der Gleichungen rein exponentiell: mit der Debye-Länge: FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 10

Adsorption von Zusätzen Konkurrenz von Wasser- und neutralen organischen Molekülen D. Grahame, Chemical Reviews.

Adsorption von Zusätzen Konkurrenz von Wasser- und neutralen organischen Molekülen D. Grahame, Chemical Reviews. Band 41, 947, S. 441– 501 FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 14

Synthese: Stern-Modell n n Das GC-Modell ist geeignet für die Nähe des Nullladungspotentials, das

Synthese: Stern-Modell n n Das GC-Modell ist geeignet für die Nähe des Nullladungspotentials, das HH-Modell für größere Entfernungen davon HH-Schicht und die diffuse GC-Schicht sind geometrisch hintereinander angeordnet Logisch ist eine Synthese: Reihenschaltung beider Kondensatoren Modell von Stern 1888 -1969 (1924): FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 15

Stern-Modell Potential Entfernung von d. Grenzfläche BDM-Modell als Weiterentwicklung FU Berlin Constanze Donner /

Stern-Modell Potential Entfernung von d. Grenzfläche BDM-Modell als Weiterentwicklung FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 16

Stern-Modell: Kapazitätsverlauf FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 17

Stern-Modell: Kapazitätsverlauf FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 17

Reale Doppelschicht FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 18

Reale Doppelschicht FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 18

Doppelschicht: Neuere Theorien n In allen Theorien wird nicht die spezifische (chemische) Wechselwirkung von

Doppelschicht: Neuere Theorien n In allen Theorien wird nicht die spezifische (chemische) Wechselwirkung von Ionen mit der Elektrodenoberfläche betrachtet (Stern: Anionen und Kationen verhalten sich gleich in der Helmholzschicht, nur die elektrische Ladung zählt): Rein elektrostatische WW: für Na. F, Na. Cl. O 4 etc - gute Übereinstimmung mit Theorie für Br-, J-, SO 42 -, Cl– - schlechte Übereinstimmung! Weitere Einflüsse: - Anionen und Kationen sind unterschiedlich hydratisiert - Oberfläche ist hydratisiert - an der Oberfläche wird die Wasserstruktur gebrochen FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 20

Doppelschicht: Neuere Theorien n Experimente dazu: Elektrokapillaritätskurven am Quecksilber: D. Grahame, Chemical Reviews. Band

Doppelschicht: Neuere Theorien n Experimente dazu: Elektrokapillaritätskurven am Quecksilber: D. Grahame, Chemical Reviews. Band 41, 947, S. 441– 501 Großer Einfluss der Anionen im positiven Bereich! FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 21

Doppelschicht: Neuere Theorien n Während die Kationen nicht-spezifisch an der Oberfläche die Hemholtzschicht bilden

Doppelschicht: Neuere Theorien n Während die Kationen nicht-spezifisch an der Oberfläche die Hemholtzschicht bilden und nur dem elektrostatischen Potential folgen, n sind die Anionen spezifisch (chemisch kovalent? ) adsorbiert und folgen dem Potential daher nur mit einer Potentialverschiebung, deren Größe von den jeweiligen Bindungsstärke abhängt! n Dies trifft aber nicht auf alle Anionen zu: n Spezifisch adsorbiert: Cl-, J-, Br-, SCN-, NO 3 n Weniger oder nicht spezifisch: SO 42 -, CO 32 -, OH- und FStern: Doppelschicht besteht aus zwei Schichten: kompakt (Helmholtz) und diffus Grahame (1947): Doppelschicht enthält drei Schichten: 1. Innere Helmholtz-Schicht (spezifisch adsorbiert, ohne Solvathülle) 2. Äußere Helmholtz-Schicht (elektrostatisch adsorbiert, mit Solvathülle) 3. Diffuse Schicht (Elektrostatik + Bolzmannverteilung) FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 22

Grahame-Modell FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 23

Grahame-Modell FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 23

Doppelschichten - spezifische Adsorption F ( Skizze: GC =Linear) Chemische WW – 3 Grenzfälle

Doppelschichten - spezifische Adsorption F ( Skizze: GC =Linear) Chemische WW – 3 Grenzfälle + + - - + + + - - - - + + - - ohne spez. Ads. FU Berlin + + + spezifisch ads. Anionen - + + - Lösungspotential - + spezifisch ads. Kationen Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 E vs. NHE 24

BMD-Modell: Dielektrizitätskonstante 1963: John O’M. Bockris, M. A. V. Devanathan, Klaus Müller Proceedings of

BMD-Modell: Dielektrizitätskonstante 1963: John O’M. Bockris, M. A. V. Devanathan, Klaus Müller Proceedings of the Royal Society of London. Series A. Mathematical and Physical Sciences. Band 274, 963, S. 55– 79 1. Dielektrizitätskonstante des Wassers nimmt zur Oberfläche hin ab: IHP: ca. 6 OHP: ca. 30 Bulk: ca. 78 (Rotationspolarisation der Wasser. Dipole!) Dielektrizitätskonstante: Maß der Polarisierbarkeit eines Dielektrikums Bockris et. al. FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 25

BMD-Modell: Was bedeutet „spezifisch adsorbiert“? 1. Je größer der Ionenradius der Anionen, desto kleiner

BMD-Modell: Was bedeutet „spezifisch adsorbiert“? 1. Je größer der Ionenradius der Anionen, desto kleiner ist die Hydratationszahl und desto größer ist die spezifische Adsorption 2. Auch Kationen können spezifisch adsorbiert sein, wenn nur ihr Ionenradius groß genug ist 3. Ursache der spezifischen Adsorption ist keine kovalente Bindung, sondern die Hydratationsenergie! Bockris et. al. Je kleiner die Hydratationsenergie, desto leichter können die Wassermoleküle an der Metalloberfläche abgestreift werden! FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 26

Brian E. Conway (1927 – 2005) Kapazität der Doppelschicht Pseudokapazität Ursache elektrostatisch elektrochemisch Elektroden.

Brian E. Conway (1927 – 2005) Kapazität der Doppelschicht Pseudokapazität Ursache elektrostatisch elektrochemisch Elektroden. Grenzfläche Kein Ladungstransfer (Nicht-Faraday-Prozess) Ladungstransfer (Faraday-Prozess) Anwendung (Doppelschicht-) Superkondensator (Pseudo-) Superkondensatoren - Adsorptions-Pseudokapazität - immobilisierte Redoxsysteme -Li-Interkalationssysteme 10 -40 F/cm 2 200 -400 F/cm 2 B. Conway, V. Birss, J. Wojtowicz, J. Power Sci. , 66 (1997) 1 - 14 FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 27

Kapazität vs. Pseudokapazität Was für ein Strom fließt, wenn am Kondensator die angelegte Spannung

Kapazität vs. Pseudokapazität Was für ein Strom fließt, wenn am Kondensator die angelegte Spannung mit konstanter Geschwindigkeit zunimmt (d. E/dt = v = const. ): Constant Scan rate Der kapazitive Strom hängt linear von der Scanrate ab. Er ist in der Regel viel kleiner als der Faradaysche Strom. I q 0 0 E FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 E 28

Kapazität vs. Pseudokapazität Zum Vergleich: Voltammogramm (= konstante Scanrate!) einer Unterpotentialabscheidung einer monoatomaren Wasserstoffschicht

Kapazität vs. Pseudokapazität Zum Vergleich: Voltammogramm (= konstante Scanrate!) einer Unterpotentialabscheidung einer monoatomaren Wasserstoffschicht auf Platin: B. Conway, V. Birss, J. Wojtowicz, J. Power Sci. , 66 (1997) 1 - 14 FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 29

Kapazität vs. Pseudokapazität Unterschiede zum „normalen“ Voltammogramm – und Ähnlichkeiten mit einem Kondensator: 1.

Kapazität vs. Pseudokapazität Unterschiede zum „normalen“ Voltammogramm – und Ähnlichkeiten mit einem Kondensator: 1. 2. 3. 4. Reversibles, spiegelbildliches Voltammogramm Relativ konstanter Lade-/Entladestrom Hohe Scanraten sind möglich vieltausendfach wiederholbar Ursache dieses Verhaltens: 1. Immobilisierte Reaktanden 2. Keine Diffusionslimitierung 3. Endliche Zahl von Molekülen/Ionen: X vs. (1 - X), vs. (1 - ) Für die Wasserstoffadsorption FU Berlin Constanze Donner / Ludwig Pohlmann 2017 30