Das Kroatische hrvatski jezik Bernadette Orthaber Institut fr
Das Kroatische – hrvatski jezik Bernadette Orthaber Institut für Slawistik PS zur Synchronie des B/K/S (Was ist Bosnisch/Bosniakisch, Kroatisch, Serbisch? ) Leitung: Prof. Branko Tošović 16. Jänner 2007
Allgemeine Merkmale – opća obilježja Westen: kroat. brat, brata krava mêso zgj > žđ možđani, moždžani Süden: kroat. - slow. bràt, bráta kráva mesô (Bruder, des Bruders) (Kuh) (Fleisch) zgj > źg > žj možjani, možani (Hirn-) slow. u-stämmige Endung im Gen. Sg. der o-Stämme 2
Mundarten – dijalekti Urslawische Isoglosse: Westen: -o Osten: -ojo cviliti vy- kviliti izь Mundartgruppen: • • • čakavisch štokavisch kajkavisch ča? što? kaj? 3
Mundarten – dijalekti Westen: klěšćá (Zange) Osten: klěšta šćipati (kneifen) štipati štokavisch: früher zweigeteilt: westliche und östliche Mundart kajkavisch torlakisch čakavisch bulgarisch slowenisch makedonisch 4
Mundarten – dijalekti čakavisch: Übergang tj > t : svet’a < světja (Kerze) dj > j: meja < medja (Grenze) Norden: ekavisch Süden: ikavisch kajkavisch: Übergang t‘ > ć > č 5
Mundarten – dijalekti Jat-Reflex - neuštokavische Dialekte • meist ikavisch: ě > i mlěko > mliko (Milch) Westen Herzegowinas, bosnische Gebiete, dalmat. Hinterland, Lika, donauländ. Diaspora, Vojvodina, Bačka) • ijekavisch: ě > ije mlěko > mlijeko (Milch) Herzegowina östl. des Neretva Flusses, Dubrovnik, Teile der ehemaligen Militärgrenze • ekavisch: ě > e mlěko > mleko (Milch) östl. des kompakten kroat. Siedlungsraum 6
Mundarten – dijalekti Reflex des reduzierten Vokals Ъ / ъ: štokavisch und čakavisch: a kajkavisch: geschlossenes e oder ě Dreiakzentsystem - Betonung: betont und unbetont • kurz und lang • betonte Länge zwischen fallender und steigender Intonation • 7
Stadtsprache – gradski jezik 11. Jh. : Personennamengebung • Platimisa (Priester / bezahlt die Messe) • Platihleb (bezahlt das Brot) 14. Jh. : Situation in Dubrovnik • Muttersprache war kroatisch • Oberschichten verwendeten ragusanisch • im offizieller Schriftverkehr Verwendung von Latein und Italienisch 19. Jh. : “Wiedergeburtsbewegung“ 8
Stadtsprache – gradski jezik dialektal verschiedene Zonen: • nordwestl. : Zagreb, Varaždin, Karlovac, Sisak • nordadriat. : Rijeka, Pula, Senj • mittel- und südadriat. : Split, Zadar, Šibenik, Dubrovnik • östl. : Osijek, Požega, Đakovo, Slavonski Brod, Vukovar • Bosnien u Herzegowina: Sarajewo, Mostar, Travnik 9
Stadtsprache – gradski jezik Adriatismen • Übergang m > n vidim > vidin (ich sehe) • Schwund des Verschlusses bei Affrikaten maška < mažka (Katze) • Verschwinden des auslautenden “t “ pe < pet (fünf) 10
Wortschatz – leksički fond Lehnwörter – posuđenice/pojajmljenice • Entlehnungen aus dem Italienischen: Adria, Hinterland, Nordwesten • Lehnwörter aus dem Deutschen u Englischen: Norden • orientalische Entlehnungen: Osten • sprachliche Integrierung, industrielle Zivilisation des Westens 11
Schriftentwicklung – razvoj pisma • frühes Mittelalter: erste Ansätze • älteste Schriftlichkeit: lateinisch, gepflegt in Benediktinerklöster • Wende 9. zum 10. Jh. : glagolitische Schrift und slawischer Gottesdienst • älteste Inschriften des 11. bzw. 12 Jh. • Inschrift von Plomin • Zweisprachige Tafel von Valun • Inschrift von Krk • Tafel von Baška 12
Schriftentwicklung – razvoj pisma Dreischriflichkeit – tri pisma • Kyrillische Schrift im Gebiet südöstl. von Split und im Osten (12. Jh) • Latinica in und um Šibenik • Glagolica wurde ersetzt • slovinski, slovenski und slovjenski wurde durch “jezik hrvatski” ersetzt 13
Schriftsprache – standardni jezik • Renaissance: Belehrung, Erbauung, Andacht • Humanismus: anspruchsvoller Sprachgebrauch, Zweisprachigkeit zeigt sich deutlich • petrarkistische Lyrik: einheitliche Formeln, gemeinsamer dichterischer Wortschatz • Dubrovnik: starke čakavische Elemente in der Dichtersprache Lustspiele štokavisch in Städten, auf den Inseln čakavisch • Aufblühen hatte nur eingeschränkte Auswirkung 14
Schriftsprache – standardni jezik • 16. Jh. : protestantische Schrifttümer: Widerstand brechen, Einschränkungen überwinden • katholische Erneuerung: belehrende Werke in Volkssprache, Gebiete der Religion, Geschichte und des Rechts • • „lingua Illyrica“: Sprache dieser Schriften (Budinić und Kašić) • čakavisch: an der Küste • kajkavisch: im nördl. Binnenland • štokavisch: Einfluss stieg im 17. Jh. 15
Schriftsprache – standardni jezik • Bestrebungen der Kirche: • straff organisierte Kulturpolitik • Sprachausbau in die Gebiete des Binnenlandes • weniger gebildetes Volk erreichen • nationale Integration • geistige, religiöse, ideologische Weiterbildung 16
Schriftsprache – standardni jezik • Križanić: verfasste einen Entwurf einer gemeinslaw. Schriftsprache • unterschiedl. mundartl. Grundlagen führten zu verschiedenartigen Wortschatz • gegenseitige Nachahmung und Umstillisierung • kroat. Schriftsprache erscheint als ein Ganzes • Tradition der serbischen Schriftlichkeit tritt auf 17
Schriftsprache – standardni jezik • Kašić: verkörperte die damalige Schriftentwicklung verfasste 1604 die erste Grammatik der kroat. Schriftsprache • Vrančić und Mikalja veröffentlichten Wörterbücher • 17. / 18. Jh. : neuštokavische Schriftsprache wurde stärker • Westen: kajkavisch und čakavisch vorherrschend 18
Schriftsprache – standardni jezik • • Standardisierung des Kajkavischen • Jambrešić: Lexograph • Đurkovečki: Grammatiker Ozaj: Herrschaftssitz der Magnatengeschlechter Zrinski und Frankopan • Belostenec schrieb das Hauptwerk dieser Schule 19
Schriftsprache – standardni jezik • štokavische Entwicklung: • große Schwierigkeiten • Gebiet war dreigeteilt unter osmanischer, venezianischer, habsburgischer Herrschaft • čakavisch wurde von štokavisch abgelöst - ikavische Form Ausnahme Dubrovnik: ijekavische Tradition • Latinica und Kyrillica wurden zurückgedrängt 20
Schriftsprache – standardni jezik Aufklärung: • Übernahme des Sprachausbaus • Erreichen von weiten Schichten • Miteinbeziehen des Serbischen und Slowenischen Napoleonkriege: • Erweiterung der štokavischen Schriftsprache • nicht nur mehr für religiöse Erbauung und kirchliche Belehrung • für Weltliches und öffentliche Administration • Vereinheitlichung der Schreibung mit lateinischen Buchstaben 21
Schriftsprache – standardni jezik Bildungspolitik unter Josef II: • Einführung einer einheitlichen und gepflegten štokavischen Schriftsprache Mitte des 18. Jh. : Anfänge der Standardisierung der neuštokavischen Schriftsprache • großes Ansehen • Bedeutende Autoren: • Kačić, Relković, Došen, Ivanošić • “illyrischer” Lexikograph: Stulli 22
Schriftsprache – standardni jezik Illyrische Wiedergeburtsbewegung – Ilirski preporod • schrieben nur noch illyrisch • kajkavisch und štokavisch stilisiert • Illyristen: Gaj und seine Anhänger • führten štokavisch Schriftsprache und eine neue Schreibung mit diakritischen Zeichen ein • Babukić und Mažuranić: Grammatiker • Karadžić: serbischer Sprachreformer • Vraz, Nemčić, Demeter und Preradović 23
Schriftsprache – standardni jezik 1850: Wiener Abkommen (Bečki dogovor) • Unterstützung der Ansichten Karadžić’ • hatte vorerst die Sprachnorm nicht beeinflusst • entscheidende Rolle in der jugoslawischen Sprachpolitik 24
Schriftsprache – standardni jezik 2. Hälfte des 19. Jh. : Philologische Schulen (Filološke škole) Zadar: bewahren der illyristischen ikavischen Tradition durch Kuzmanić Rijeka: bedeutendster Stilist war Kurleac Zagreb: Tkalčević und Šulek 25
Schriftsprache – standardni jezik Ende des 19. Jh. : • keine Vereinigung der Südslawen durch die illyristische Schriftsprache • Entstehung wichtiger Werke von Matoš, Vidrić, Kranjčević, Nazor Südslawische Akademie (Jugoslavenska akademija znanosti i umjetnosti u Zagrebu): • wichtige Personen: Daničić, Broz, Maretić, Iveković 26
Schriftsprache – standardni jezik vor dem 1. Weltkrieg • Konsolidierung des kroatischen neuštokavischen Standards • seitdem in gleicher Form stabilisiert • Standardsprache der Kroaten und Serben: Serbokroatisch • war aber nicht einheitlich • unterschiedliche kroatische bzw. serbische Ausprägung • Serben: volkstümlich, natürlich, bequem, spontan • Kroaten: klassisch, anspruchsvoll, fordernd 27
Schriftsprache – standardni jezik • Stabilisierung der Standardsprache durch mundartliche Dichtung • čakavische Literaten: Nazor, Gervais, Črnja • kajkavische Literaten: Galović, Krleža, Kovačić Vor und nach dem 2. Weltkrieg • jugoslawischer Staat • Beeinflussung der Weiterentwicklung • Serbokroatisch dem Serbischen angleichen • scheiterte an kroatischer Sprachloyalität 28
Schriftsprache – standardni jezik Während des 2. Weltkrieges: • „Unabhängiger Staat Kroatien“ • Politik lehnte Standardisierungsprozess ab • Versuch puristische Grundsätze einzubauen • kroatische Bevölkerung hielt an ihrer Schriftsprache fest 29
Quellennachweis Katičić, R. (1999): Das Kroatische. In: Hinrichs Uwe (Hrsg. ): Handbuch der Südosteuropa. Linguistik. Wiesbaden, Harrasowitz Verlag (= Slavistische Studienbücher, Neue Folge Bd. 10), 381 -412. 30
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