befreit leben lernen Suchtkrank Einblick in die Entstehung
befreit leben lernen Sucht-krank? ! Einblick in die Entstehung, den Verlauf und die Therapie einer unterschätzten Krankheit nach Quellen des BKD 2018
befreit leben lernen Sucht - Begriffsklärung Das alt- und mittelhochdeutsche „Suht“, später „siech“, bedeutete „krank sein“. Früher wurden alle Krankheiten als Sucht bezeichnet. Das Wort „Gelbsucht“ als Relikt aus dieser Zeit ist heute noch zur Bezeichnung einer Leberentzündung gebräuchlich. Viele im 17. und 18. Jahrhundert negativ bewertete Verhaltensweisen bezeichnen wir heute noch als „Sucht“: Streitsucht, Ehrsucht, Gewinnsucht, Rachsucht, Selbstsucht, Herrschsucht, etc.
befreit leben lernen Was ist Sucht? • eine „Hungerkrankheit“ - Symptom für das Gefühl von innerer Leere, Unzufriedenheit und Sinn in der Gesellschaft. (Röhr) • ein unwiderstehliches, wachsendes Verlangen nach einem bestimmten Gefühls- und Erlebniszustand, erzeugt durch eine Handlung die ausgeführt oder einen Stoff der zugeführt wird • ein Eingriff in die normalen physiologischen Funktionen des Körpers, der zu deren Umgewöhnung führt • eine durch Vortäuschung oder den Ersatz von physiologischen Funktionen erzeugte Mangelerscheinung, die ausgeglichen werden muss • eine vorgetäuschte Belohnung • hat einen typischen Prozess: Erfahrung – Wiederholung – Gewöhnung – Missbrauch - Sucht Grundsätzlich kann jeder Mensch süchtig werden!
befreit leben lernen Abhängigkeit statt Sucht Da der Begriff Sucht sehr unspezifisch ist, wurde er in Bezug auf stoffgebundene Süchte (Sucht nach Nikotin, Tabletten, Drogen, Alkohol …) durch den Begriff Abhängigkeit ersetzt.
befreit leben lernen Definition von Abhängigkeit / Sucht nach WHO • Starkes Verlangen, die Substanz (z. B. Alkohol) zu konsumieren / die Handlung durchzuführen • Schwierigkeiten, die gefassten Vorsätze in Bezug auf Menge, Art und Häufigkeit des Substanzkonsums/der Handlung einzuhalten (Minderung der Kontrollfähigkeit) • Körperliche Beschwerden bei Reduzierung der Konsummenge / Handlungshäufigkeit oder bei Beenden des Konsums / der Handlung (Entzugserscheinungen) • Zunahme des Konsums /der Handlungen, ohne dass die Wirkung der Substanz / das Belohnungsgefühl zunimmt (Toleranzentwicklung) • Immer einförmiger werdende Konsumgewohnheiten (eingeengtes Konsummuster) • Vernachlässigung anderer Interessen, z. B. Familie, Hobbys, Freunde, Beruf • Fortsetzung des Konsums trotz des Wissens um bereits eingetretene Schäden körperlicher, seelischer oder sozialer Art Bei mindestens drei Übereinstimmungen besteht eine Abhängigkeit/Sucht!
befreit leben lernen Im Zentrum der Definition der WHO steht die Frage, welchen Stellenwert und welche Bedeutung das Suchtmittel im Leben des Betroffenen, in seinem Denken, Fühlen und Handeln einnimmt. Nur durch eine ehrliche und selbstkritische Beantwortung der Frage, wie sehr das Suchtmittel die Lebensbereiche bestimmt, kann der Betroffene für sich klären, ob er abhängig ist oder nicht. Nicht nur Stoffe, sondern auch jedes menschliche Verhalten kann zum Suchtmittel werden (Arbeitssucht, Putzsucht, Kaufsucht, Wissenssucht, …).
befreit leben lernen Ich bin nicht gefährdet ! … so denken viele. Um das schnell herauszufinden, gibt es einen einfachen Selbsttest: Leben Sie für ein bis zwei Wochen abstinent. Verzichten Sie auf das entspannende Genussmittel oder die ablenkende Tätigkeit durch die Sie ein Gefühl von Belohnung erfahren und beobachten Sie Ihre körperlichen, geistigen und psychische Reaktionen.
befreit leben lernen Selbsttest Abhängigkeitsgefährdung Trinken Sie, weil Ihnen der Alkohol eine befriedigende Erleichterung verschafft, Ihnen Kraft und Mut gibt und Ihre Leistungsfähigkeit verbessert? Nehmen Sie regelmäßig zum Alkohol Zuflucht, wenn Sie Hemmungen und Spannungen überwinden, Unlustgefühle und Verstimmungen beseitigen wollen? Trinken Sie heimlich? Suchen Sie nach Gelegenheiten, wo Sie ohne Wissen der anderen ein paar Gläser trinken können? Verstecken Sie Alkohol? Hatten Sie wegen Ihres Trinkens schon Schuldgefühle? Haben Sie durch Ihr Trinken zu Hause oder an der Arbeitsstelle Schwierigkeiten bekommen? Haben Sie schon behauptet, dass sie nicht trinken müssen, obwohl Sie oft nicht auf Alkohol verzichten können?
befreit leben lernen Haben Sie, wenn Sie eine geringe Menge Alkohol getrunken haben, ein unwiderstehliches Verlangen nach mehr? Haben Sie schon festgestellt, dass Sie während einer Trinkperiode Dinge getan oder gesagt haben, an die Sie sich am nächsten Tag nicht mehr erinnern konnten? Verspüren Sie schon am Morgen ein starkes Verlangen nach Alkohol? Haben Sie den Eindruck, etwas Besonderes vollbracht zu haben, wenn Sie längere Zeit nicht getrunken haben? Versuchen Sie ein Trinksystem (z. B. nicht vor bestimmten Zeiten zu trinken) oder wechseln Sie die Alkoholsorten (z. B. anstatt Bier oder Schnaps nur noch Wein)? 1 x JA -wir empfehlen Ihnen, sich und Ihre Trinkgewohnheiten genau zu beobachten und Ihren Alkoholkonsum zu reduzieren. 2 oder mehrmals JA - Sie brauchen Hilfe. Es besteht die Gefahr, dass sich aus „harmlosen“ Gewohnheiten eine Abhängigkeit entwickelt hat.
befreit leben lernen Suchtursachen
befreit leben lernen Was passiert im Körper? Alkohol fördert über unterschiedliche Mechanismen die Ausschüttung Cannabis hemmt indirekt Hemmer der Ausschüttung –> ständiger Fluss Nikotin fördert Ausschüttung Kokain blockiert Rücktransport Folge: Überschuss an Dopamin; Körper fährt Produktion zurück Rezeptoren bilden sich zurück
befreit leben lernen Das Belohungssystem Mandelkern: emotionales Lernen; Konditionierung durch Reize –> Angst als Schutzmechanismus, Lustgefühl, Belohnung, nucleus acumbens: Dopaminrezeptoren -> Erwartung eines Glücksgefühls
befreit leben lernen So entsteht das Belohnungsgefühl • Überschuss an Dopamin fördert Verstärkung der Reizleitung -> Nervenautobahnen zum Gehirn -> Selektion des Gehirns: was ist gut, überlebenswichtig, neu, passiert häufig • erhöhte Stimulierung des Belohnungssystems –> verbindet gute, überlebenswichtige, neue, häufige Aktivitäten mit Wohlgefühl, Entlastung, Lust, Befriedigung, … • Verankerung im Frontalhirn -> Wiederholung -> Verstärkung -> Verfestigung (emotionales Lernen) Beispiel: Ich trinke ein Glas Bier –> es schmeckt besser als erwartet und fühlt sich gut an –> Signal im Gehirn „besser als erwartet, tut gut!“ -> Belohnungssystem wird stimuliert -> Ausschüttung von Dopamin -> Glücksgefühl -> Signal an Frontalhirn -> Festigung der Erinnerung -> Streben nach Wiederholung
befreit leben lernen • • Subjektives Wohlbefinden - beeinflussende Faktoren Kognition: denken, phantasieren, bewerten Tätigkeiten: arbeiten, spielen, bewegen Interaktion: Kontakt aufnehmen, unterhalten, Gemeinschaft erleben Substanzzufuhr: essen und trinken, genießen, konsumieren -> verstärkt in Gemeinschaft
befreit leben lernen vom Genuss zur Sucht maßvoller, bewusster Genuss – selbstgesteuert Gewöhnung / Gewohnheit – riskanter Konsum – durch Suchtmittel gesteuert Missbrauch - Kontrolle geht verloren – Suchmittel übernimmt Kontrolle Sucht – zwanghafter Konsum - Erkrankung
befreit leben lernen Ebenen der Abhängigkeit / Sucht • psychisch – Konsum oder Handlung wieder besseres Wissen • körperlich – Mangel löst Verlangen nach Nachschub aus – „Suchtdruck“ • sozial – nahe Verwandte können in das Suchtmuster einsteigen, um die Erkrankung zu verbergen (Co-Abhängigkeit)
befreit leben lernen Der Ausstieg • Information über Internet • evtl. anonymer Anruf beim Beratungstelefon -> Erste Hilfe für Situation, Vermittlung von Adressen von Beratungsstellen und Fachkliniken, Hinweis auf Einweisung über Hausarzt wegen Kostenübernahme (Diagnosestellung) • evtl. Anmeldung bei einer Beratungsstelle • Beratungsstellen: Situationsabklärung, Motivation zur Entgiftung und Therapie abklären, Therapieempfehlung (stationär, ambulant), MPU-Sitzungen, Rat für Umgang an der Arbeitsstelle • Entgiftung, Therapie, Reha, Eingliederung, Stabilisierung durch Selbsthilfegruppen (wöchentliches Treffen; Hilfe bei Rückfällen, Soziale Kontakte, Schulungen…)
befreit leben lernen Es muss oft bis an die persönliche Schmerzgrenze gehen…… . . bis ein Ausstieg von Betroffenen in Betracht gezogen wird…
befreit leben lernen Wie kann ich einen Verdacht ansprechen? • Fakten sammeln. Sagen, was habe ich beobachtet habe –> sozialer Rückzug, Vernachlässigung von sich selbst, Konzentrationsschwierigkeiten, verwaschene Sprache, Flaschen gefunden, Körpergeruch/Alkoholfahne zu unpassenden Zeiten, X Stunden am PC mit Erfolgsspielen, … (WHO-Symptome) • „Ich mache mir große Sorgen um Dich, deshalb spreche ich das jetzt an. “ • „Ich möchte Dir gerne helfen, können wir gemeinsam schauen, was für Dich jetzt hilfreich ist? “ • Ablehnung: akzeptieren, bei sich bleiben – nicht in Abhängigkeitsmuster einsteigen - Abstieg aushalten, zu anderer Gelegenheit wieder ansprechen, selber in eine Beratungsstelle gehen
befreit leben lernen • • Suchtprävention bei Jugendlichen Information über Suchtentstehung, Suchterleben und deren Folgen für das spätere Leben – Begegnung mit Betroffenen Stärkung des Selbstbewusstseins (ich weiß, wer ich bin), des Selbstwerts (Neinsagen üben, zu mir stehen, uncool sein aushalten) und der Selbstwirksamkeit (ich kann etwas bewirken) Unterstützung in der Stärkung der Identität – Wer bin ich? Wer will ich sein? Stärkung der Beziehungsfähigkeit – in der realen Welt Förderung von Werten wie Freiheit, Freundschaft, Lebendigkeit, Offenheit für Neues Förderung von Eigenschaften wie Durchhaltevermögen, Mut, Einsatz, Lust zu entdecken, Entscheidungsfähigkeit, Nutzung von Fähigkeiten und Möglichkeiten Erlernen suchtfreier Belohnungssysteme – Lob, Ehrung, gemeinsame Freude, sich einen Wunsch erfüllen, … Motivation zu einer selbstbestimmten, befreiten, sinnerfüllten Lebensweise durch prominente Vorbilder, lohnenswerte Lebensziele, Erfüllung von Lebensträumen
befreit leben lernen • • • Suchtprävention in der Öffentlichkeit regelmäßige Beiträge in den Medien Plakatkampagnen, Kinokampagnen Magazin BLAU blu: app Youtube-Beiträge Schulbesuche Präsenz an Veranstaltungen, Messen usw. Vorträge, Infoveranstaltungen Verteilmaterial
befreit leben lernen Suchthilfe in Deutschland • Drogenbeauftragte im Bund : z. Zt. Marlene Mortler https: //www. drogenbeauftragte. de (nationale Kampagnen, Drogen- und Suchtbericht, …) Prävention, Beratung und Behandlung, Hilfen zum Ausstieg, Maßnahmen zur Schadensreduzierung, gesetzliche Regulierung, Angebotsregulierung • Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS) Zusammenschluss der in der Suchthilfe und Suchtprävention tätigen Verbände aus Selbsthilfe, Beratung und Behandlung - Verknüpfung zentraler Fragen von Suchthilfe, Suchtprävention und Suchtmittelpolitik
befreit leben lernen Suchtselbsthilfe im BKD -Hilfe zur Selbsthilfe - Unterstützung und Begleitung von Suchtkranken, Angehörigen (Eltern, Partner*inne, Kinder) und Gefährdeten -Motivation zum Ausstieg, Stabilisierung in der Abstinenz und Rückfallprophylaxe - Hilfe bei der Aufarbeitung der Lebensgeschichte und bei der Arbeit an einer neuen, suchtmittelfreien Identität - Einüben einer gesunden und suchtmittelfreien Lebensweise - Schaffung von neuen sozialen Kontakten - Angebot der kontinuierlichen Schulung zum besseren Verständnis der eigenen Suchtproblematik und zur Gestaltung des suchtmittelfreien Lebens
befreit leben lernen Nützliche Internetadressen www. blaues-kreuz. de – www. bluprevent. de – www. vollfrei. de www. sucht. org ww. dhs. de www. fv-medienabhängigkeit. de www. bundesfachverbandessstoerungen. de www. gluecksspielsucht. de www. suchthilfestatistik. de
befreit leben lernen Befreit leben lernen! Machen Sie mit und helfen Sie mit! Vielen Dank fürs Zuhören!
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