AutismusSpektrumStrungen bersicht I Tiefgreifende Entwicklungsstrungen berblick II Frhkindlicher
Autismus-Spektrum-Störungen
Übersicht I. Tiefgreifende Entwicklungsstörungen: Überblick II. Frühkindlicher Autismus III. Asperger-Syndrom IV. Störungskonzept V. Therapie
Tiefgreifende Entwicklungsstörungen • Eine Gruppe von Störungen, die durch qualitative Beeinträchtigungen in der gegenseitigen Interaktion und Kommunikation, sowie durch eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten charakterisiert sind.
Tiefgreifende Entwicklungsstörungen Klassifikation nach ICD-10 • F 84. 0 Frühkindlicher Autismus • F 84. 1 Atypischer Autismus • F 84. 2 Rett-Syndrom • F 84. 3 Desintegrative Störungen des Kindesalters • F 84. 4 HKS mit Intelligenzminderung/ Bewegungsstereotypien • F 84. 5 Asperger-Syndrom
Prävalenz von Autismus-Spektrum - Störungen Prävalenz per 10. 0000 Fombonne, 2005; Chakrabarti & Fombonne, 2005; Baird et al. , 2006, Williams et al. , 2008
Frühkindlicher Autismus „Kanner-Syndrom“: Erstbeschreibung 1944 Überblick • stark eingeschränkte Sprachentwicklung • häufig intellektuell beeinträchtigt • Komorbiditäten: Epilepsie (. . . ) Leo Kanner 1896 - 1981 • motorische Beeinträchtigungen
Frühkindlicher Autismus: Diagnosekriterien ICD-10 • Qualitative Beeinträchtigung wechselseitiger sozialer Interaktionen • Qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation • Eingeschränkte Interessen und stereotype Verhaltensmuster • Unspezifische Probleme: Befürchtungen, Wutausbrüche, Schlaf- und Eßstörungen • Manifestation vor dem 3. LJ
Qualitative Beeinträchtigung wechselseitiger sozialer Interaktionen • Beziehungsaufnahme zu Personen, Ereignissen und Dingen ist abnorm • fehlendes Antwortlächeln • kein Blickkontakt • fehlende Unterscheidung von Eltern und anderen Personen • keine freundschaftlichen Bindungen • fehlendes kooperatives Spiel • kein Einfühlungsvermögen in die Gefühle anderer, mangelnde „Theory of Mind
Beeinträchtigung der Kommunikation • Verzögerte Sprachentwicklung • Echolalien (Filmbeispiel) • pronominale Umkehr • grammatikalische Fehler • Diejenigen, die Sprache erlernen, setzen sie stereotyp und nicht kommunikativ ein • Stimme wenig melodisch, mechanisch, falsche Betonungen
Spielverhalten autistischer Kinder • Funktionelles und sensomotorisches Spiel: Stereotypes Spiel, sensorische Interessen, Interesse an Teilen vom Spielmaterial. • Kein symbolisches Spiel: wenig „sotun-als-ob“. • Kein interaktives Spielen
Begrenzte, repetitive und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten • Stereotype und begrenzte Interessen • Zwanghafte Anhänglichkeit an spezifische, nicht-funktionale Handlungen und Rituale (Veränderungsängste) • Manierismen (Filmbeispiel) • Vorherrschende Beschäftigung mit Teilobjekten oder nicht funktionalen Elementen des Spielmaterials • sensorische Interessen
Begrenzte, repetitive und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten • Sensorische Auffälligkeiten • Hören • Sehen • Riechen, Schmecken • Tasten • Gleichgewicht • Es zeigen sich sowohl Über- als auch Unterempfindlichkeiten • Offenbar können autistische Kinder die Reizmenge schlechter kontrollieren
High-functioning Autismus • Beim Autismus kann jedes Intelligenzniveau vorkommen! • Frühkindlicher Autismus: mean ~58 (SD 20), • 73% < 70 , 24% < 50 ((Baird et al. , 2006) • Autistische Menschen mit hohem Entwicklungsniveau verfügen über eine durchschnittliche Intelligenz und sprachliche Fähigkeiten.
Differentialdiagnose • Andere tiefgreifende Entwicklungsstörungen • Intelligenzminderung (ohne Autismus) • Andere psychische Störungen • Sprachstörungen • Bindungsstörungen • Schizophrenie • Mutismus • Angststörungen
Komorbidität • Intelligenzminderung • Epilepsie (etwa 20 %, häufig Beginn in der Adoleszenz oder frühes Erwachsenenalter) • Andere psychische Störungen Ø Hyperaktivität Ø Tic-Störungen Ø Affektive Störungen Ø Autoaggression Ø Zwangsstörungen Ø Schlafstörungen
Verlauf • Prognostische Kriterien: o Frühe Diagnose und einsetzende Förderung o Sprachniveau ØWenn bis zum 6. Lebensjahr keine Sprache, dann sehr schlechte Prognose o Kognitive Fähigkeiten ØSehr niedriges Intelligenzniveau ist verbunden mit niedrigen sozialen Funktionsniveau
„Autistische Pers. -Störung“ (Erstbeschreibung 1943) „Asperger-Syndrom“ (L. Wing 1981): • Manifestation ab dem dritten bis fünften Lebensjahr • im wesentlichen altersgerechte Sprachentwicklung • normale Intelligenzverteilung • häufig motorisch ungeschickt Hans Asperger 1906 - 1980
Diagnosekriterien ICD 10 Asperger-Syndrom • Qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion: o Beziehungsaufnahme zu Gleichaltrigen Ø Kontaktverhalten, soziale Motivation o Mangel an sozio-emotionaler Gegenseitigkeit Ø Empathie, Theory of Mind o Mangel, spontan Freude, Interessen oder Tätigkeiten mit anderen zu teilen o Nonverbales Verhalten (Blickkontakt, Mimik, Gestik usw. )
Symptomatologie Asperger-Syndrom • Qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation o Prosodie: Intonation, Sprechweise o Pragmatik: Ø Sprachverständnis Ø Verständnis von sozialen Regeln o Spielverhalten
Spielverhalten • Parallelspiel ohne wechselseitige Beachtung • Parallelspiel mit wechselseitigem Augenkontakt • einfaches Sozialspiel: Die Kinder sprechen miteinander und bieten sich Gegenstände an • komplementäres und reziprokes Spiel: Die Kinder nehmen einfache handlungsdeterminierende, wechselseitig abhängige Rollen ein, wie Jagen und Verfolgen, Suchen und Verstecken • kooperatives soziales Fiktions-/ Illusionsspiel: Die Kinder spielen verschiedene Rollen in einem fiktiven Rollenspiel, z. B. Vater, Mutter und Kind • komplexes soziales Fiktionsspiel: Die Kinder spielen soziale Rollen unter Einsatz von Metakommunikation Wenig!
Diagnosekriterien ICD 10 Asperger-Syndrom • Fehlen einer Verzögerung der Sprachentwicklung und der kognitiven Entwicklung. • Einzelne Wörter mit 2 Jahren, erste Sätze mit 3 Jahren • mindestens durchschnittliche Intelligenz • unauffällige frühe Entwicklung in den ersten 3 Lebensjahren • motorische Ungeschicklichkeit häufig
Diagnosekriterien ICD 10 Asperger-Syndrom • Ungewöhnliche und sehr ausgeprägte umschriebene Interessen oder begrenzte, repetitive und stereotype Verhaltensmuster • motorische Manierismen selten • besonderes Beschäftigt sein mit Teilobjekten oder mit nicht-funktionalen Elementen von Spielmaterial ungewöhnlich
Diagnosekriterien ICD 10 Asperger-Syndrom Begrenzte, repetitive und stereotype Verhaltensweisen, Interessen und Aktivitäten • Sonderinteressen üungew. Intensität ügroßes Wissen ünicht-soziale Qualität ürelative Stagnation
Komorbidität • ADHD • Depression • Tourette Syndrom • Zwangsstörungen • Psychosen
Störungskonzept • Schon Kanner und Asperger gingen von einer genetischen Verursachung aus! • In den 60 er Jahren jedoch: Emotionale Störung bedingt durch frühe Bindungserfahrungen (sogen. Kühlschrankmütter) (Bettelheim, 1967) • Aktuell: „neurodevelopmental disorder“, Störung der pränatalen und postnatalen Hirnentwicklung bedingt durch einen genetischen Hintergrund (Di. Cicco-Bloom et al. , 2006)
Störungskonzept: Genetik • Zwillingsstudien weisen eine hohe Konkordanzrate bei eineiigen Zwillingen auf, Heritabilität >90% • Familienstudien: 50 zigfach erhöhtes Risiko für Geschwister • Raten von 10 -45% für soziale Beeinträchtigungen, Unnahbarkeit, Schüchternheit und pragmatische Sprachauffälligkeiten bei den Eltern autistischer Kinder > „broader autistic phenotype“ • Molekulargenetische Studien: polygene Vererbung der ASS sehr wahrscheinlich (bis zu 20 Gene werden untersucht) (Freitag, 2007)
Genetik • 5 -10% zeigen chromosomale Auffälligkeiten • Häufigste „ 15 q duplication“ (1 -3%) • Fragile X (1 -3%) and Rett sind seltener • Auffälligkeiten an den Geschlechts-Chromosomen (1 -3%) • Weitere genetische Syndrome (Tuberöse Sklerose, Joubert Syndrom) • M: F = 4: 1; 8: 1 • Mehrzahl der Fälle aber: komplexe genetische Verursachung : 3 -20 Gene
Störungskonzept Abnormale genetische Codes für die Hirnentwicklung Abnormale Mechanismen für die Hirnentwicklung Strukturelle und funktionale Abnormalitäten im Gehirn Neuropsychologische Auffälligkeiten
Störungskonzept: Theory of Mind • Mit dem Begriff Theory of Mind ist die Fähigkeit gemeint, psychische Zustände (Gefühle und Gedanken) anderen Personen und sich selbst zuzuschreiben. Die Fähigkeit, die eigenen Gedanken, Gefühle, Wünsche, Absichten und Vorstellungen und diejenigen anderer zu erkennen, zu verstehen und vorherzusagen. Ø Ø Empathie Emotionserkennung Sozial-kognitive Attribuierungen Perspektivenübernahme • Aber nicht spezifisch für autistische Störungen!
Funktionelle Auffälligkeiten des Gehirns beim Autismus: Reduzierte Aktivität in den Bereichen: • IFG: Inferior frontal gyrus (Imitation von Gesichtsausdrücken) • p. STS: posterior superior temporal sulcus (Wahrnehmung von Gesichtsausdrücken und Augenpartien) • SFG: superior frontal gyrus („theory of mind“ Aufgaben) • A: amygdala (Soziale Aufgaben) • FFA: fusiform gyrus/fusiform face area (Wahrnehmung von Personen) „Social brain network“ Di. Cicco-Bloom et al. , 2006
Autisten Gesichts- und Objekterkennung Bei der Gruppe der Autisten werden bei der Betrachtung von Gesichtern die Gehirnregionen aktiviert, die bei der Kontrollgruppe für die Objektwahrnehmung aktiviert werden, d. h. sie verarbeiten Gesichter wie Objekte. Kontrollgruppe Gesicht (Schultz et al. , 2000) (Übersicht in Domes et al. , 2008) Objekt
Spiegelneurone • Definition: Neurone, die aktiv und passiv (d. h. nur beim Betrachten der Aktion) Impulse geben. • Giacomo Rizzolatti, 1996: Makakenversuch • engl. Mirror Neuron System (MNS) Bedeutung bei : Kulturtechniken, Empathie, Emotionserkennung, Autismus, Intuition bezogen auf eine andere Person…. (s. a. Oberman & Ramachandran, 2007)
Mirror Neuron System Aktivierung während der Imitation von Emotionen a) Kontrollgruppe b) ASD-Gruppe c) sig. Differenz (Dapretto et al. , 2006)
Bezug zur Symptomatik • • • Bei sich selbst Fehlende /reduzierte Wahrnehmung und Kommunikation der eigenen Befindlichkeit, Absichten, Gedanken Mangelnder nonverbaler Ausdruck Die Welt in „schwarz – weiß“ Defizite in der Emotionsregulation Konzentration auf Objekte, besondere Interessen Auffälliges Spielverhalten Im Kontakt mit anderen • Fehlende Wahrnehmung und Verständnis der relevanten Reize • Fehlende/auffällige Beziehungsaufnahme • Mangel an sozio-emotionaler Gegenseitigkeit • Missverständnisse
Bezug zur Symptomatik • Gutes wörtliches Gedächtnis • Gutes „Faktenwissen“ • Gute Wahrnehmung für Details • Haftenbleiben an Details • Fehlende ganzheitliche Wahrnehmung • Probleme in der Generalisierung
Zusammenfassung: Störungskonzept • Autismus-Spektrum-Störungen gelten als Funktionsstörungen des Gehirns („neurodevelopmental disorders“), denen eine genetische Verursachung zugrunde liegt. • Die reduzierte Konnektivität führt zu Auffälligkeiten in der Informationsverarbeitung, die wiederum die autismus-spezifische Symptomatik begründet.
Therapie
Therapieverfahren und ihre Evidenz
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