Auch Grabmale sind Denkmale Ein Denkmal ist ein
Auch Grabmale sind Denkmale Ein Denkmal ist „ein erhaltenes [Kunst]werk, das für eine frühere Kultur Zeugnis ablegt“ (DUDEN)
Das Grabmal als Denkmal Grabmale dokumentieren Leben und Taten Þ bedeutender Personen Þ mächtiger Herrscher Þ wichtiger Familien oder Dynastien. So soll die kollektive Erinnerung an Þ Personen und ihre Biographie Þ Werke und ihre Auswirkungen Þ Zeiten und ihren Einfluss auf die Nachgeborenen aufrecht erhalten werden und Zeugnis gegeben werden.
Hintergrund Bischof Dietrich von Fürstenberg hat ein solches Grabmal zu Lebzeiten selbst in Auftrag gegeben. WARUM: seine Arbeit, sein Programm, sein Plan für die Entwicklung des Bistums, der Stadt und des Umlandes sollte auch nach seinem Tod für die nachfolgenden Generationen sichtbar sein. Þ Sein Vermächtnis sollte wirken – er wollte seine Wirkung fortschreiben!
Dieses Grabmal steht bis heute im Paderborner Dom und erzählt dem Betrachter viel über den Bischof und seine Zeit
Setze dir selbst ein Denkmal! Der Bischof erteilte den Auftrag für sein Grabmal mit einer Gesamthöhe von 17 Metern. Seine Absicht, sich die Erinnerung der Nachwelt zu sichern, ließ er auf das Grabmal schreiben: „Sicher ist der Tod, ungewiß der Tag und nicht sicher das Andenken der Deinen; daher setze, bist du weise, Dir dein Denkmal selbst. “
Erfolge und Ziele Der Bildhauer Heinrich Gröninger hat dieses Grabmal von 1585 -1618 geschaffen Es erzählt anschaulich die Geschichte vom Leben und Wirken des Bischofs
Wirkung Fürstenbergs Absicht war zweifellos, sowohl sein religiöses Programm als auch seine politischen Ziele unabhängig von seiner persönlichen Lebenszeit dauerhaft zu konservieren und fortzuschreiben. Er wollte auf diese Weise über seinen Tod hinaus die Erfolge seiner Regierungszeit bewahren, seine Autorität auch zukünftig sichern. So entstand ein monumentales Denkmal, das auch heute noch als ein Zeugnis zeitgenössischer Frömmigkeit verstanden werden kann.
Im Zentrum des Grabmals kniet der Bischof
Verbindung zwischen Demut und Macht Durch diese zentrale Stellung wird bereits das Bildprogramm verdeutlicht, denn Þ einerseits wird der Bischof kniend, demütig, fromm und betend dargestellt; Þ andererseits ist er mit allen Insignien der Macht ausgestattet: er trägt das prächtige Ornat eines Bischofs, seine Mitra steht vor ihm und sein Bischofsstab wird von einem Engel hinter ihm getragen. Þ er hat das Knie gebeugt, aber er hat nicht den Blick gesenkt, er hält den Kopf selbstbewusst aufrecht.
Das Bildprogramm
Seine unmittelbare Umgebung • Unmittelbar hinter ihm sind wichtige Gebäude seiner Herrschaftszeit zu sehen: – Schloss Neuhaus – das Theodorianum – die Wewelsburg => sein Residenzschloss => die „Academie“, die Festung der Wissenschaft => sein landesherrlicher Stützpunkt • sowie zwei wichtige Bischöfe des Bistums: – Bischof Meinwerk (links) mit der (Grabes)-Abdinghofkirche – Bischof Meinolf (rechts) mit der Klosterkirche zu Böddeken, in der Dietrich von Fürstenberg zum Bischof geweiht wurde.
Legitimation und Sukczession
Selbstverständnis Das Selbstverständnis des Bischofs wird in der Anordnung der Bildelemente und der Auswahl der Bildszenen gut deutlich. Er selbst steht in der Mittelachse, über ihm eine Darstellung der Auferstehung der Toten, die eine Vision des Propheten Ezechiel zeigt (Altes Testament) und darüber die Auferstehung des Lazarus (Neues Testament). Als Abschluss schließlich sein Bischofswappen, das ebenfalls in dieser Mittelachse angeordnet ist.
Ganz oben – über allem – schweben die Allegorien: Macht – Gerechtigkeit – Ewigkeit – Barmherzigkeit – Ruhm
Wirkung Das Grabmal ist ein zeitgenössisches Denkmal. Das Grabmal ist aber gleichzeitig auch intensiver Ausdruck des staats- und kirchenpolitischen Programms des Bischofs. Als solches beeinflusste es zweifellos durch 4 Jahrhunderte auch die Meinung und Haltung der frommen Betrachter. Dietrich von Fürstenberg selbst hatte verfügt, dass dieses Grabmal im Altarbereich des Doms, an der Nordwand des Altarraumes aufgestellt werden sollte. Und dort hat es auch tatsächlich über 300 Jahre gestanden, bis es 1924 an die Westwand im nördlichen Seitenschiff versetzt wurde. Wer für das eigene Grabmal nicht nur Konzept und Bildprogramm, sondern auch den Standort – in unmittelbarer Nähe zum am Allerheiligsten – bestimmt, von dem darf man wohl mit Fug und Recht sagen, dass es ihm nicht am nötigen Selbstbewusstsein gemangelt hat. Alle Fotos: Erzbistum Paderborn, Fachstelle Kunst, Foto: Ansgar Hoffmann
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